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Mountainbiken: So machen Sie sich und Ihr Bike startklar

Die Saison rollt an: jetzt das Mountainbike aus dem Keller holen und startklar machen. Mit den Tipps vom Profi fährt es sich besser und zufriedener.

Die Saison rollt an

Spitzen- und Hobbysport lassen sich nicht vergleichen. Oder doch? Beim Mountainbiken ist es in beiden Welten wichtig, seine eigenen Fähigkeiten nicht zu überschätzen. Davon ist Mathias Flückiger überzeugt. «In Technikkursen lernt man die Grundlagen, wie man ein Bike am einfachsten und sichersten fährt», sagt der 26-jährige Mountainbike-Profi aus Ochlenberg im Berner Oberaargau. Danach sei es wichtig, regelmässig zu üben und die eigene Fahrweise zu verbessern. Wer sich auf dem Mountainbike weiterentwickeln und neue Terrains erkunden will, müsse regelmässig trainieren. «Am besten zu zweit oder in Gruppen, so kann man sich gegenseitig motivieren und bei materiellen oder körperlichen Problemen unterstützen», empfiehlt der Profi.

Spass beim Mountainbiken als wichtigster Motor

Mathias Flückiger weiss, wovon er spricht. In der Vitrine bei ihm zuhause hängt schon eine WM-Bronzemedaille. Und im Hinblick auf Rio 2016 spricht er bereits jetzt Klartext: «Ich will aufs Podest.» Im olympischen Mountainbike-Rennen wird Flückiger als Einzelkämpfer bis ans Limit und darüber hinausgehen müssen, damit es klappen kann. Trotzdem sagt er: «In Begleitung macht das Biken mehr Freude.» Seine Ambitionen im Spitzensport verfolgt der Profi mit eiserner Disziplin. Der wichtigste Tipp von Flückiger an die Adresse von vielen tausend Hobbybikern lässt diese aber aufatmen: «Gebt Einsatz, aber nur so viel, dass der Spass am Biken nicht verloren geht. Denn der Spass ist der wichtigste Motor für den Einsatz.»

Herausforderungen beim Mountainbiken stellen vor allem die Steilpassagen dar. Berghoch heisst das Prinzip «Vor und tief». Sobald es in die Steigung geht, müssen die Schultern über dem Lenker sein, die Arme sind gebeugt. Spätestens wenns aus dem Sattel in den Wiegetritt geht, sollte man nicht mehr schalten müssen. Der Gang sollte der besseren Traktion wegen aber auch nicht zu klein gewählt sein. Das Gewicht des Fahrers ist dann auf beide Reifen verteilt. So kann einerseits das Vorderrad nicht steigen und andererseits das Hinterrad nicht vorschnell durchdrehen.

In der steilen Bergabfahrt sollte der Schwerpunkt möglichst tief liegen, den Sattel dazu runterstellen und das Gesäss hinter den Sattel bringen. Die Fussstellung ist waagerecht und hilft damit die Position zu stabilisieren und schnell reagieren zu können. Die Arme werden dabei leicht gebeugt – man bleibt flexibler und schont Hand-, Ellenbogen- und Schultergelenke. Wenn’s schnell wird, ist Blickkontakt entscheidend: immer dort hinschauen, wo man hinfährt.

Wie in allen Bereichen des Sports gilt auch beim Mountainbiken: Übung macht den Meister. Die Trainingsintensität hängt dabei von den individuellen Leistungsansprüchen ab. Der Spitzensportler Flückiger sitzt in der Saisonvorbereitung pro Woche 30 Stunden auf dem Bike. Vor einem wichtigen Rennen seien es auch mal «nur» 15 Stunden. Für Amateurbiker gilt das gleiche Prinzip, in anderen Dimensionen: mehr trainieren ermöglicht zwar schnellere Fortschritte. Allerdings dürfen die Erholungsphasen nicht fehlen.

Die richtige Technik beim Mountainbiken zum grossen Erlebnis

Sicherheit beim Mountainbiken: Helm als Pflicht, Klickpedalen empfohlen
Zur Wahl des richtigen Bikes gibt es keine Standardkriterien. «Am wichtigsten ist die passende Rahmengrösse und dass das ausgewählte Modell den eigenen Fahrgewohnheiten entspricht», sagt Mathias Flückiger, der seit 2013 beim Stöckli Pro Team fährt. Es lohne sich auf die Qualität bei Federgabel und Dämpfer zu achten. Denn diese nehmen Fahrbahnstösse auf und senken somit die Belastung für den Fahrer. Wenn die Reifen nicht bei jedem Stein abheben, steigt die Traktion und damit die Fahrsicherheit. Die Grundregel: «Das Preisbudget des Käufers sollte sich an der Häufigkeit und Intensität seines Mountainbike-Gebrauchs orientieren.» Im spezialisierten Fachgeschäft werde man diesbezüglich optimal beraten. Der Profi weiss, dass ein Mountainbike ein komplexes technisches Gerät ist, das nur mit der richtigen Pflege und Wartung seine volle Leistung entfaltet. «Je sorgfältiger der Umgang mit dem Bike und seinen Komponenten, desto länger bleibt der Fahrspass erhalten», sagt Flückiger.

Was die Bike-Ausrüstung betrifft, ist Flückiger je nach Körperteil mehr oder weniger streng. Keine Kompromisse gibt es beim Kopf. «Der Helm ist absolute Pflicht.» Gemäss Suva-Statistik betrifft ein Drittel aller Verletzungen nach Velounfällen den Kopf. Beim Schuhwerk unterscheidet der Profi: Wer nur sporadisch auf Naturstrassen unterwegs sei und wenig Ambitionen habe, komme mit normalen Turnschuhen zurecht. «Wer regelmässig ins Gelände geht, ist mit richtigen Bike-Schuhen und Klickpedalen viel besser bedient», sagt Flückiger. Diese Variante gebe mehr Halt und damit Sicherheit, sofern man geübt sei und das «Ausklicken» zum richtigen Zeitpunkt beherrsche.

Die Schweiz – ein Mekka für Mountainbiker
Bike und Ausrüstung passen nun. Doch wo sind die besten Routen? «Wir haben das Glück, in einem absoluten Mountainbike-Land zu leben. Es gibt keine Region, die ich nicht empfehlen könnte», sagt Mathias Flückiger. Auf Natur- und Kieswegen, die es in jedem Wald und auf jedem Feld gibt, können Anfänger wunderbar üben. Über einfache Singletrails kann man sich vorwagen und sein persönliches Level kontinuierlich verbessern.

«Ausgedehnte Möglichkeiten finden Biker sicher in Graubünden, besonders im Engadin, im Wallis und auch im Jura», sagt Mathias Flückiger. Dort kann man auch ihn regelmässig beim Training antreffen. Sein Motto: Jedes Jahr noch etwas besser werden, die Grenzen der eigenen Möglichkeiten gänzlich ausloten. Der Countdown für Rio läuft.

Mountainbike-Modell: Fully oder Hardtail? Beratung hilft!

Intensiv diskutiert die Mountainbike-Community zuweilen über Vor- und Nachteile von verschiedenen Modellen. Dabei hat sich der Entscheid zwischen «Fully» oder «Hardtail» in bestimmten Kreisen schon fast zur Glaubensfrage ausgewachsen. Für echte Kenner sind solche Kontroversen fehl am Platz. «Es gibt in dieser Debatte nicht gut oder schlecht, sondern nur die Frage nach dem gewünschten Einsatzbereich», sagt Urs Schaller von der Stöckli Swiss Sports AG. Wer ein solides Mountainbike für Fahrten vorwiegend über einfachere Wege sucht, ist mit einem Hardtail (nur Federung am Vorderrad) bestens beraten und spart im Gegensatz zum teureren Fully (Federung vorne und hinten) erst noch Geld. Ein Fully bietet hingegen mehr Komfort und Möglichkeiten für einen technischen Fahrstil. Die höhere Investition gegenüber dem Hardtail macht sich gerade auf schwierigem Gelände in der Regel bezahlt.

Bei der Beratung im Fachgeschäft lässt sich auch die ideale Rahmengrösse definieren. Sie ist das wichtigste Kriterium bei der Wahl des passenden Bikes. Und die Radgrösse? Stöckli bietet seit geraumer Zeit nur noch Modelle mit 27.5 und 29 Zoll Rädern an und hat 26-Zoll-Bikes aus dem Sortiment genommen. «Die grösseren Räder überrollen Hindernisse besser, bieten mehr Grip und haben einen geringeren Rollwiderstand», erklärt Urs Schaller.

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