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Zehn Gebote für Schneeketten

Von wegen «weisse Pracht». Für viele Autofahrer ist Schnee ein Fluch. Dabei ist das Fahren darauf ganz einfach. Wenn man diesen zehn Geboten seines Schutzengels folgt.

Gebote

1.      Führet Warnweste, Taschenlampe, eine alte Decke und Fingerhandschuhe griffbereit mit. Die Signalweste sorgt für Sicherheit, die Taschenlampe für gute Sicht, die Decke für trockene Knie und die Handschuhe für sicheren Griff. Sie werden euch zum Segen werden.

2.      Übet das Anlegen von Schneeketten in Andacht daheim. Wir kennen weder Tag, noch Stunde, noch Ort, da sie angelegt werden müssen. Wer übt, schafft es unterwegs schneller.

3.      Noch wichtiger als Heiligenbilder sind Filme übers schnelle und sichere Anlegen auf «youtube». Am besten den segensreichen Clip, der dein System und Fahrzeug treffend beschreibt, gleich aufs Handy laden und vor Ort noch einmal anschauen, bevor du aussteigst.

4.      Weh´ euch: Eine Todsünde ist die Montage auf weichem Untergrund oder am Hang. Der Gebrauch des Wagenhebers ebenfalls, weil unnötig und gefährlich.

5.      Bedenket: Nach einigen hundert Metern sind Sitz und Spannung der Ketten erneut zu überprüfen. Unter Umständen müssen sie kurz nachgespannt werden.

6.      Ich verkünde euch: Die klassischen Schneeketten zeigten sich in schweren Prüfungen des Touring Clubs Schweiz (TCS) robust und sicher. Schnellspannsysteme sind teurer und verschleissen schnell. Sie empfehlen sich deshalb vor allem für Fahrer, die regelmässig für kurze Strecken Ketten auflegen müssen, zum Beispiel auf den letzten Metern zur Kirche auf dem Berg.

7.      Leset die Zeichen: Sobald die Schilder der höheren Macht es gebieten, sind die Ketten abzulegen. Sonst verschleissen sie zu schnell. Ausserdem geben sie auf Asphalt keinen Grip.

8.      Bremset euch: Schutzengel fliegen über der Schneedecke nicht schneller als 50 km/h. Mit Ketten deshalb nie schneller fahren. Nach dem Gebrauch zusammenlegen, damit sie schnell wieder ausgepackt sind – die Ketten, nicht die Engel.

9.      Zügelt die Kräfte: Neumodische Vehikel mit Allradantrieb und SUVs sind auch nur sterbliche Fahrzeuge. Sie müssen in Ketten gelegt werden. Werden bei Front- und Heckantrieblern die beiden Reifen der Antriebsachse belegt, können 4×4-Fahrzeuge theoretisch vorne oder hinten bekettet werden. Vorne empfiehlt sich meist, da das Motorgewicht hier für mehr Kraftübertragung sorgt.

10.     Achtet die Gesetze: Unwissenheit schützt vor Sünde nicht: Wer einen Mietwagen übernimmt, sollte dringend überprüfen, ob Schneeketten an Bord sind. Wer auf ausgewiesenen Strecken «unten ohne» ertappt wird, zahlt schnell 100 Franken – und einiges mehr, wenn eine Verkehrsgefährdung vorliegt.

«Sicherheit gibt es schon für 100 Franken»

Expertentipps zum Umgang mit Schneeketten von Bernhard Schwab, Projektleiter Produkttests beim Touring Club Schweiz.

Herr Schwab, für viele Autofahrer und Autofahrerinnen ist es ein Graus, ihre Pneus in Ketten zu legen. Gibt es Alternativen?
B. Schwab: Alternativen zu Schneeketten können textile oder auch andere Anfahrhilfen sein (z. B. Rud Softspike, Auto Sock). Textile Traktionshilfen werden über das Rad gestülpt. Die meisten Anfahrhilfen eignen sich jedoch nicht für längere Fahrten auf Schnee und Eis. Es gibt Schnellmontageketten mit entsprechend erleichterter Montage und innovativen Materialien. Sie sind meist weniger leistungsstark und weniger verschleissfest als konventionelle Ketten, kosten aber oft das Doppelte. Sie eignen sich also für häufigen kurzzeitigen Einsatz.

Hilft da ein internationales Siegel für Schneeketten?
B. Schwab: Leider nein. Die gesetzlichen Anforderungen an Schneeketten sind international nicht harmonisiert. Ein Schneekettenobligatorium gilt für alle Fahrzeuge. Wenn nicht per Zusatztafel explizit davon ausgenommen, auch für 4×4-Fahrzeuge. Wer mit Schneeketten unterwegs ist, sollte die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h nicht überschreiten.

Worauf sollte beim Kauf von Schneeketten geachtet werden?
B. Schwab:
Dass das Produkt auch als Schneekette zugelassen ist. Man sollte die Reifendimension des eigenen Fahrzeugs vorher notieren, um im Laden auch die passende Kettengrösse zu finden. Moderne Schneeketten sind übrigens nicht schwierig zu montieren: Wer eine Trockenübung in der Garage macht, dürfte im Ernstfall keine Probleme haben.

Was ist bei Front- und Hecktrieblern zu beachten?
B. Schwab:
Grundsätzlich werden Schneeketten auf die Antriebsräder montiert. Per Definition: Eine mit dem Signal „Schneeketten obligatorisch“ gekennzeichnete Strecke dürfen Fahrzeuge nur befahren, wenn wenigstens zwei Antriebsräder der gleichen Achse, bei Doppelrädern je ein Antriebsrad auf jeder Seite, mit Schneeketten aus Metall versehen sind. Die signalisierte Vorschrift wird mit dem Signal «Ende des Schneekettenobligatoriums» aufgehoben.

Welche Reifen müssen bei 4×4-Fahrzeugen mit den Fahrhilfen bedacht werden?
B. Schwab:
Bei 4×4-Fahrzeugen muss grundsätzlich in der Bedienungsanleitung nachgeschlagen werden, wo die Ketten zu montieren sind. Denn: Nicht jeder Allradantrieb funktioniert gleich. Bei Automodellen, die je nach Version Zwei- oder Vierradantrieb haben, wird beim 4×4-Modell die Kette in der Regel auf derselben Achse montiert wie beim Basismodell. Wer über längere Zeit auf Schnee unterwegs ist, kann – je nach Fahrzeug – auf allen vier Rädern Ketten montieren.

Brauchen Wohnmobile oder Vans spezielle Schneeketten?
B. Schwab:
Es gibt spezielle, für Nutzfahrzeuge ausgelegte Transporterketten, die höhere Festigkeiten aufweisen, jedoch auch teurer sind. Bei leichten Wohnmobilen oder Vans funktionieren auch Schneeketten für Personenwagen. Grundsätzlich sind jedoch die Reifendimensionen zu berücksichtigen.

Wenn man nur für den Urlaub mit Schneeketten ausgestattet sein möchte: Wo gibt es Ausleihmöglichkeiten in der Schweiz?
B. Schwab:
Teilweise bei Tankstellen oder Garagen in Winterurlaubsorten. Allerdings: Im Fachhandel oder in Warenhäusern gibt es bereits Schneeketten für weniger als 100 Franken, die im TCS-Schneekettentest mit «empfehlenswert» oder besser abgeschnitten haben.

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