Vorsorge & Vermögen

Die Mär vom ruhigen Lebensabend

Es gibt eine grosse Vielfalt darin, wie Menschen älter werden und wie ihr Leben im Alter aussieht. Langeweile ist dabei in den wenigsten Fällen vorgesehen.

Alter(n) hat viele Gesichter

Endlich ist die Pensionierung erreicht. Der wohlverdiente Ruhestand. Aber sich im Alter zurücklehnen und einen Gang runterschalten? Von wegen. Viele ältere Menschen in der Schweiz starten noch einmal richtig durch und setzen sich neue Ziele. Denn mit dem Renteneintritt beginnt zwar ein neuer Lebensabschnitt, aber noch lange nicht der Abschied vom Leben. Vielmehr wird heutzutage immer öfter vom dritten und sogar vierten Lebensabschnitt gesprochen, wenn es um die Zeit nach dem aktiven Berufsleben geht.

Das Alter ist mehr und mehr zu einer eigenständigen Lebensphase geworden, die oftmals sogar mehrere Jahrzehnte umfasst. 1960 wurden die Schweizer im Schnitt 71,3 Jahre alt; wer 2015 geboren wurde, kann sich laut Weltbank-Zahlen bereits auf durchschnittlich 83,2 Jahre freuen. Frauen leben dabei meist länger als Männer, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) errechnet hat: Heutige Buben werden durchschnittlich 80,1 Jahre, Mädchen sogar 84,5 Jahre alt.

Wer jetzt in Rente geht, hat laut BFS ebenfalls noch viel Zeit vor sich: Männer noch 19, Frauen sogar 22 Jahre. Die gewonnene Zeit nutzen die «neuen Alten» nach dem Ruhestand aus. Für Sport, Reisen, Bildung und vieles mehr.

Viele Ältere sehen in der höheren Lebenserwartung und der guten Gesundheit vor allem eine Chance zur Selbstverwirklichung. Alt zu werden, verliert seinen Schrecken. Der Wunsch, den persönlichen Horizont durch vielfältige Erlebnisse zu erweitern, steht im Vordergrund. Nachteile wie körperliche Einschränkungen werden unwichtiger beziehungsweise spielen keine grosse Rolle.

Auch im Alter auf neuen Wegen
Ein Computerkurs in der Volkshochschule könnte für einige etwa der Startschuss sein, neue Technologien für sich zu entdecken. Natürlich kann es auch Berührungsängste geben. Bin ich nicht zu alt für so was? Aber die Möglichkeiten sind enorm: Skypen mit den entfernt lebenden Enkeln, Bestellungen im Internet aufgeben oder die Fotos der Familienfeier am Bildschirm bearbeiten. Die digitalen Techniken erleichtern vieles und machen auch noch Spass.

Lernen im Alter ist eine der Optionen. Ob Volkshochschulkurs oder sogar Universität: Immer mehr Bildungshungrige der älteren Generation wollen dazulernen, etwa eine neue Sprache, oder Neues erfahren aus Naturwissenschaft, Geschichte oder Gesellschaft. In den Unistädten Luzern, Bern, Zürich, Basel, Schaffhausen und Winterthur gibt es sogar eigene Senioren-Unis, meist für Frauen und Männer ab 60 Jahren. Sie bieten ein vielseitiges Programm während der Semesterzeit, gewöhnlich in Form von Einzelvorträgen mit anschliessenden Diskussionen. Die Resonanz ist enorm: Die Senioren-Universität Zürich, ebenfalls für Wissenshungrige ab 60, zählt beispielsweise rund 3000 registrierte Studierende im höheren Alter. 

Ü65: Firmengründer mit viel Erfahrung und Know-how

lebensabend

Die Lust auf Weiterbildung, auf «Mehr-wissen-Wollen», ist aber nur eine von vielen Facetten, die die heutige Generation der über 65-Jährigen ausmachen. Die angesprochene Fitness und ein reger Geist führen beispielsweise auch dazu, dass der Anteil der Senioren unter den Unternehmensgründern steigt. Immerhin knapp fünf Prozent der Start-up-Gründer in der Schweiz sind derzeit älter als 55 Jahre, so eine Analyse des Schweizer Bundesamtes für Statistik. Den Firmengründern kommt ihre berufliche Erfahrung zugute. Viele greifen aber auch auf ein extrem tiefes Branchenwissen zurück. Das hilft ihnen genauso wie ihre Lebenserfahrung. Ausserdem dürften viele Gründer im besten Alter gelassener mit den Herausforderungen umgehen als ihre jüngeren Kollegen.

Ehrenamtliche Arbeit ist eine weitere Möglichkeit, die Jahre nach dem Ruhestand sinnvoll zu nutzen. Viele engagieren sich etwa in Institutionen, Vereinen oder in der Nachbarschaft. Um materiellen Nutzen geht es den älteren Menschen bei ihrem Engagement in der Regel nicht. Vielmehr ist ihnen wichtig, immer noch eine Rolle in der Gesellschaft zu spielen. Sie können einen Beitrag für das Allgemeinwohl leisten, indem sie sich einbringen.

Engagement statt Hilfsbedürftigkeit
Ihr Engagement ist möglich, weil viele bis ins hohe Alter kerngesund und unternehmungslustig sind. Doch inwieweit die Frauen und Männer aber das Leben im Alter geniessen können, hängt auch vom finanziellen Fundament ab. Deshalb ist es wichtig, sich rechtzeitig mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen. Das gilt umso mehr, als Rentenwunsch und Rentenwirklichkeit immer stärker auseinanderdriften. Die klassische Altersvorsorge wird künftig immer weniger ausreichen, um den Finanzbedarf im Ruhestand zu decken.

Um also die zahlreichen Ideen und Wünsche im Alter auch finanziell umsetzen zu können, sollte man rechtzeitig daran denken, die drohende Einkommenslücke mit Ersparnissen zu füllen. Bestens geeignet sind dafür Guthaben der 3. Säule, der sogenannten privaten Vorsorge. Diese Sparvariante kann gezielt für individuelle Vorsorgelücken genutzt werden.

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