Vorsorge & Vermögen

Eine frühe Vorsorge zahlt sich für Frauen aus

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Eine frühe Vorsorge zahlt sich für Frauen aus

Im Gespräch über den Gender Pension Gap mit unserer Vorsorgeexpertin

Alt und arm – in der Schweiz betrifft das besonders viele Frauen. Schuld ist der sogenannte Gender-Pension-Gap. Was es damit auf sich hat und was Frauen dagegen tun können? Wir haben unsere Vorsorgeexpertin gefragt.

Frauen sollten die eigene Vorsorge als Chance für ihre Unabhängigkeit und Gleichstellung nutzen.

Vorsorge für Frauen

Auch wenn sich immer mehr neue Rollen- und Familienbilder zeigen, Frauen in immer höheren Pensen arbeiten und später Kinder kriegen, nach der Pensionierung haben sie immer noch das finanzielle Nachsehen. In der Schweiz erhalten sie einen Drittel weniger Rente als Männer. Zwar schliesst sich diese Lücke in der Tendenz, aber nur sehr langsam. Die Ungleichheit wird noch lange bestehen bleiben. Umso wichtiger ist es für Frauen, das Thema Vorsorge anzupacken. Wie das gelingt und worauf Frauen achten müssen, weiss die Baloise Vorsorgeexpertin Stefanie Wagner.

Gender Pension Gap

Was ist der Gender Pension Gap?

Die geschlechtsspezifische Altersvorsorgelücke beschreibt die Tatsache, dass Frauen im Alter über deutlich weniger Geld verfügen. In der Schweiz beträgt der Gender-Pension-Gap 37 Prozent.

Wie kommt es zu diesem grossen Unterschied?

Verschiedene gesellschaftliche und politische Faktoren tragen zur Pensionslücke von Frauen in der Schweiz bei. Zum einen verdienen Frauen weniger als Männer; für die gleiche Arbeit erhalten sie 20 Prozent weniger Lohn. Das schlägt sich in der Rente nieder. Hinzu kommt, dass viele Frauen häufiger Teilzeit arbeiten. Das bedeutet wiederum weniger Lohn und entsprechend weniger Rente. Und dass Frauen den grössten Anteil der Care- und Haushaltsarbeit leisten – dies kostenlos –, ist für die Vorsorge alles andere als förderlich. Nur bezahlte Arbeit fliesst in die Rente ein.

Worin liegen die Gefahren des Gender Pension Gap?

Frauen geraten dadurch in eine gefährliche finanzielle Abhängigkeit. Die minimale Rente ist nur eine Negativfolge des Gender-Pension-Gap. Wer keinen Lohn hat, kann auch nicht in die Pensionskasse einzahlen und auch der Zugang zur Säule 3a bleibt verwehrt. Unter dem Strich können Frauen ihren Lebensunterhalt so nicht selbst finanzieren.

Die Gründe

Das Thema Vorsorge ist für Frauen demnach doppelt wichtig. Wieso aber tun sich so viele so schwer damit?

Das Thema Vorsorge ist generell kein beliebtes und schönes. Wer redet schon gerne über Scheidung, Tod oder Invalidität? Davor verschliessen wir alle gerne die Augen und schieben es vor uns her. Hinzu kommt bei vielen Frauen auch eine Unwissenheit. Oft sind sich Frauen nicht bewusst, welche negativen finanziellen Folgen eine Heirat, die Geburt des ersten Kindes oder der Kauf eines Eigenheims für ihre Rente haben.

Die Familiengründung als finanzielle Gefahr für die Frau – können Sie das genauer erklären?

Mutter zu werden hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Vorsorge der Frau. Die wenigsten Frauen in der Schweiz arbeiten direkt nach dem Mutterschaftsurlaub wieder 100 Prozent. Teilzeitarbeit bedeutet weniger Lohn und weniger Rente. Eine längere Auszeit erschwert den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Auch die Lohnsprünge während dieser Zeit fallen weg. Finanziell hinkt die Frau dadurch stets hinterher. Rein finanziell gesehen, sind keine Kinder und eine stetige 100-Prozent-Anstellung das Optimum. Das entspricht aber nicht der Realität und lässt sich auch nur schwierig mit ihr vereinbaren.

Arbeitsmodell Teilzeit

Das meistgewählte Arbeitsmodell der Schweizer Mütter ist die Teilzeitarbeit. Eine schlechte Wahl?

Rein finanziell gesehen ist das eine schlechte Wahl. Mit jedem Jahr Teilzeitarbeit wird die Pensionslücke grösser. Wer beispielsweise mit 30 Mutter wird und danach noch 30 Jahre lang in einem 30-Prozent-Pesum arbeitet, hat eine riesige Lücke. Aus rein finanzieller Sicht sind Teilzeitarbeit oder keine Erwerbstätigkeit die schlechtesten Szenarien. Gerade weil unser System nicht auf Teilzeitarbeit ausgelegt ist und die Haus- und Carearbeit nicht berücksichtigt, ist man als Familie gefordert. Sprich, wenn eine Frau nicht erwerbstätig ist oder Teilzeit arbeitet, sollte sie dennoch in die Vorsorge einzahlen. Das geht aber nur mit finanzieller Hilfe vom Mann. In der Realität passiert das leider viel zu wenig, nicht böswillig, sondern oft unwissend; viele Männer sind sich dieser Verantwortung gar nicht bewusst. Dabei ist es für sie selbst auch von Vorteil: Im Falle einer Scheidung steht der Mann finanziell besser da, wenn die Frau ebenfalls eine Vorsorge hat.

Vorsorgeexpertin Stefanie Wagner
Stefanie Wagner, Vorsorgeexpertin bei der Baloise

Umdenken und Mut

Welches Umdenken muss stattfinden, um die Frauen stärker in die Vorsorge einzubinden?

Das Thema beschäftigt uns alle. Jahr für Jahr landen die Altersarmut und die Rente auf Platz eins des Schweizer Sorgenbarometers. Und trotzdem beschäftigen wir uns nicht gerne damit. Die Thematik ist zu weit weg, alte Rollenbilder sind verankert, die Finanzen eine Männerdomäne. Auch werden wir zu wenig damit konfrontiert. In der Schule lernt man zwar kochen, nicht aber, wie man die Steuern macht oder vorsorgt. Hier braucht es ein Umdenken. Langsam wandelt sich der Arbeitsmarkt, Beziehungen finden mehr und mehr auf Augenhöhe statt, aber alles dauert und braucht Zeit.

Sie appellieren an die Eigenverantwortung der Frau?

Auch. Vielmehr möchte ich aber Frauen Mut machen, sich mit der eigenen Vorsorge zu befassen und sie als Chance zu sehen – für ihre Unabhängigkeit und für die Gleichstellung der Frau. Viele Frauen sind verunsichert oder haben das Gefühl, sie kennen sich zu wenig mit der Thematik aus. In der Folge nehmen sie die Vorsorge lieber gar nicht in die Hand, überlassen sie dem Mann oder schieben sie ständig auf. Wie wir gesehen haben, ist aber genau das gefährlich. Wer hingegen den ersten Schritt macht und sich an die Thematik heranwagt, kann nur gewinnen. Und ganz wichtig: Für fehlendes Wissen braucht sich niemand zu schämen. Dafür gibt es Beraterinnen und Berater, die Frauen in der Vorsorge unterstützen und begleiten.

Wie also sollen Frauen vorsorgen?

Frauen sollten so früh wie möglich mit der Vorsorge beginnen. Am besten direkt mit 18 Jahren. Das beugt nicht nur Lücken vor, frau gewöhnt sich so auch früh daran, regelmässig einen Beitrag zur Vorsorge auf die Seite zu legen. Der Verzicht wird dadurch normal und schmerzt deutlich weniger. Auch bei der Vorsorge gilt: Gute Entscheidungen kann frau nur treffen, wenn sie die nötigen Grundlagen dafür hat. Diesen ersten und oft schwierigen Schritt muss die Frau alleine machen, danach wird ihr geholfen. Ebenfalls wichtig zu wissen: Eine falsche Vorsorge gibt es nicht – ob Bank oder Versicherung, Säule 3a oder Säule 3b. Es gibt auch nicht die eine Lösung, sie ist immer situationsabhängig. Und weil sich das Leben ständig ändert, sollte auch die eigene Vorsorge immer wieder überprüft und angepasst werden. Immer aber gilt: Besser heute mit der Vorsorge beginnen als morgen – jeder Schritt zählt im Kampf gegen die Pensionslücke.

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