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Pilze und Beeren richtig sammeln

Pilze, Marroni und Beeren vereinen Sammelspass, Bewegung und Genuss. Wir zeigen Ihnen, wie Sie richtig sammeln.

Pilze, Beeren und Marroni richtig sammeln

Herbstzeit ist Erntezeit. Das Sammeln in der Natur kombiniert Bewegung an der frischen Luft mit der Freude, Selbstgefundenes verzehren zu können. Damit Sie für das Sammeln der Wildfrüchte gewappnet sind, gilt es ein paar Punkte zu beachten. Dann steht dem Sammelspass für die gesamte Familie nichts im Weg.

Die richtige Ausrüstung

Gerade das Thema Schuhwerk wird gerne unterschätzt. Wanderschuhe mit Profilsohle sind bei der Vermeidung von Wanderunfällen schon die halbe Miete. Und das nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder. Zwar finden Sie Marroni häufig auf und neben Wanderwegen oder an Nebenstrassen. Begehrte Speisepilze wachsen dagegen selten am Wegrand – sie erfordern die Bereitschaft, sich querfeldein durch den Wald zu bewegen.

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Ebenfalls nützlich sind bei unsicherer Wetterlage Regenjacke und -hose. Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann sich problemlos Wechselkleidung in den Kofferraum legen. Unterschätzen Sie auch nicht den Zeitfaktor: Ein Sammelausflug zieht sich schnell über drei bis vier Stunden hin. Daher sollte ein Rucksack mit Proviant und ausreichend Getränken griffbereit sein, nicht immer findet sich eine Einkehrmöglichkeit.

Sammelbeschränkungen beachten

Bevor Sie starten, sollten Sie sich über Regeln und Gesetze informieren. Dies betrifft insbesondere das in der Schweiz beliebte Sammeln von Pilzen. Damit die Bestände geschont werden, existieren in vielen Kantonen und teils auf Gemeindeebene Sammelbeschränkungen. So haben zahlreiche Kantone Schonzeiten eingeführt, in denen keine Pilze gesammelt werden dürfen. Diese liegen meist zu Beginn eines Monats. Zudem existieren Mengenbeschränkungen zwischen einem und drei Kilogramm Pilze pro Person und Tag, das organisierte Sammeln in Gruppen ist vielerorts verboten. Wer sich nicht daran hält, zahlt empfindliche Geldbussen. Kastanien wildwachsender Bäume dürfen gesammelt werden. Eine Ausnahme bildet das Sammeln auf angelegten Plantagen (Selven), wie sie etwa im Tessin existieren. Das Sammeln von Beeren für den privaten Verzehr ist erlaubt. 

Pilze und Beeren in den Korb – nie ins Plastik-Säckli

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Sammeln Sie Pilze und Beeren in einem Korb, der luftdurchlässig ist. Pilze niemals in einer Plastiktüte aufbewahren, denn darin schwitzen die Pilze, das Eiweiss der Pilze zersetzt sich schnell und das Sammelgut verdirbt. Beeren können Sie auch in einem verschliessbaren Plastikbehälter aufbewahren. Ein Stoffbeutel ist nicht ideal, da Pilze oder Beeren während des Sammelns aufeinander drücken. Für Esskastanien ist er aber okay.

Die meisten Pilzvergiftungen verursachen übrigens nicht etwa giftige Arten wie der Grüne Knollenblätterpilz, sondern verdorbene Pilze und zu alte Exemplare. Sammeln Sie daher nur junge Exemplare. Als Faustregel gilt: Drücken Sie mit dem Daumen auf den Pilzhut. Bleibt eine Delle zurück, ist das Exemplar zu alt. Ältere Pilze haben zudem reife Sporen und sind daher wichtig für die Fortpflanzung der Pilze im kommenden Jahr. Wenn Sie alte Exemplare einfach stehen lassen, schonen Sie nicht nur die Natur, sondern auch Ihre Verdauung.

Sammeln Sie nur Pilze und Wildfrüchte, die Sie sicher kennen. Bei Esskastanien ist das nicht schwierig. Bei Pilzen dagegen schon: Sammelanfänger sollten sich daher erst einmal auf die Gattungen der Röhrlinge und Leistlinge beschränken. Sie erkennen Röhrlinge daran, dass sie eine Art Schwamm unter dem Hut haben und keine Lamellen wie etwa ein Champignon. Zu den Röhrlingen zählen unter anderem Steinpilze und Maronenröhrlinge. Zu den Leistlingen gehören wiederum sämtliche Pfifferlingsarten wie der Echte Pfifferling und die Totentrompete. Man erkennt Leistlinge ganz einfach daran, dass die Leisten unterhalb des Huts fest mit diesem verwachsen sind und sich nicht wie Lamellen ablösen lassen.

Auch für fortgeschrittene Sammler gilt: Pilze, bei denen Sie unsicher sind, ob sie essbar sind, gehören in einen separaten Korb oder zumindest in ein Extragefäss im Korb. Denn sonst können sich versehentlich abgebrochene Teile giftiger Arten mit essbaren Speisepilzen mischen.

Pilze richtig bestimmen

Hilfreich sind Pilzbücher, die einen Bestimmungsschlüssel enthalten und über gute Fotos verfügen. Der Schweizer Pilzkontrolleur Markus Flück stellt in seinem Werk «Welcher Pilz ist das?» über 270 Pilzarten Mitteleuropas vor und zeigt sinnvollerweise auch Speisepilze und ihre giftigen Doppelgänger oft nebeneinander. Wer als fortgeschrittener Pilzjäger auf der Pirsch nach bestimmen Arten ist, findet in dem Buch auch nützliche Informationen über Pilze und deren Baumpartner. Tatsächlich gehen viele leckere Speisenpilze eine Symbiose, im Fachjargon Mykorrhiza genannt, mit bestimmten Baumarten ein. Oftmals verrät der Trivialname des Pilzes schon, bei welchen Bäumen er zu finden ist. So finden sich Fichtensteinpilze bei Fichten, Kiefernsteinpilze in der Nähe von Kiefern und Lärchenröhrlinge – Sie ahnen es – bei Lärchen. Bestimmte Arten wie etwa die Krause Glucke finden sich nur an einer Baumart, in diesem Fall der Kiefer.

Für interessierte Einsteiger gibt es Kurse, die von lokalen Pilzvereinen und Pilzschulen angeboten werden. Dort lernen Sie das systematische Bestimmen verschiedener Arten. Generell weniger entscheidend sind bei Pilzen Merkmale wie Farbe und Grösse, denn sie werden durch Sonneneinstrahlung, Temperaturen und Regen stark beeinflusst. Wer bereits gesammelt hat, aber ganz sichergehen will, kann einen Pilzkontrolleur aufsuchen. Danach können Sie Ihre Pilzbeute beruhigt zubereiten und geniessen.

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