Vorsorge & Vermögen

Wohnen im Alter: Gemeinsam statt einsam

Gerade auch die ältere Generation sucht deshalb verstärkt nach Wohnformen, in denen sie unbeschwert und in Gesellschaft ihren Lebensabend verbringen kann.

Nur wenige Menschen leben gern allein.

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Die Zeiten, in denen die ältere Generation irgendwann automatisch ins Altersheim abgeschoben wurde, sind zum Glück vorbei. Nun gilt: Je älter man wird, umso wichtiger sind die Wohn- als Lebensräume. Das richtige Wohnumfeld zu finden, zählt zu den wesentlichsten Bedürfnissen älterer Menschen.

Das Ziel dabei ist meist einfach und lautet für die allermeisten: «Wohnen wie gewohnt». Das bedeutet, dass selbst im betagteren Alter die meisten Schweizer selbstständig und vor allem selbstbestimmt wohnen und leben wollen, und das am besten nicht allein.

Die gute Nachricht lautet: Wohnen im Alter hat tatsächlich immer weniger mit klassischen Alters- und Pflegeheimen zu tun. Alternativen für ein komfortables und sorgloses Leben gibt es reichlich – von der Senioren-WG über das gemeinschaftliche Wohnen mit anderen Generationen bis zum ambulanten Pflegeheim. Die Grenzen sind dabei bisweilen fliessend. Klar ist: Es bestehen vielfältige Wohnraumangebote, die auf die immer individuelleren Wünsche eingehen.

Kein Wunder: Lebten 1990 ziemlich genau eine Million über 65-Jährige in der Schweiz, wird sich diese Zahl bis 2030 mehr als verdoppeln: Das Bundesamt für Statistik rechnet dann mit 2,17 Millionen Menschen über 65 Jahren. In den Städten ist der Anteil älterer Menschen noch höher als in ländlichen Regionen.

Neue Wohnform: Das «Cluster»-Wohnen
Eine noch relativ unbekannte, aber sehr interessante Form des Zusammenlebens ist das sogenannte «Cluster»-Wohnen. Bei diesem Konzept ist der Übergang zwischen dem persönlichen Wohnbereich und den Gemeinschaftsräumen bewusst fliessend gestaltet. Wer will, kann Kontakt zu anderen haben; wer seine Ruhe haben möchte, zieht sich in die eigenen vier Wände zurück.

Die Idee der Cluster-Wohnform ist auch, dass sich die Generationen mischen und voneinander profitieren können – ähnlich wie bei Mehrgenerationenhäusern. Cluster-Wohnen bietet zudem viele Formen der Unterstützung im Alltag, die gerade ältere Menschen sonst ausserhalb des Quartiers suchen müssen. Das reicht von der gemeinsamen Bibliothek über Fitnessräume bis hin zu Pflegeangeboten und dem gemeinsamen Einkauf. Ein Beispiel für diese Wohnform ist das genossenschaftlich organisierte Hunziker Areal in Zürich Leutschenbach. Eine wichtige Zielgruppe dort sind Menschen über 60. Sie suchen Anschluss oder wollen konkret mit Freunden zusammenleben und eine Art Alters-WG gründen, gleichzeitig aber eigene Rückzugsmöglichkeiten haben.

Keine strengen Regeln in der Alters-WG
Auch die klassische Alters-WG dürfte für immer mehr Menschen interessant sein, gerade bei geringerem Einkommen, wenn man sich eine eigene Wohnung nicht mehr leisten kann. «Gemeinsam statt einsam» ist auch hier das Motto. In diesen speziellen Wohngemeinschaften sind die Senioren in der Regel selbstständige Mieter, bringen ihre eigenen Möbel mit und sind nicht an einen festen Tagesablauf wie in einem Altersheim gebunden. Jeder WG-Bewohner kann seinen Alltag selbst gestalten, unter Umständen noch für die eigene Verpflegung sorgen und gegebenenfalls die Mitbewohner unterstützen.

Diese Art der Wohngemeinschaft ist zudem beliebt, weil die Menschen so zumeist auch weiterhin in ihrem gewohnten Stadtteil leben können. Ausserdem bleiben sie, soweit es geht, selbstständig, leben in einer Gemeinschaft und können – je nach Bedarf – durch ambulante Pflege betreut und unterstützt werden. Allerdings ist es natürlich enorm wichtig, dass die Chemie untereinander stimmt.

Auch ein ambulantes Pflegeheim kann eine gute Möglichkeit für das Leben im Alter sein. Dabei wohnen die Menschen – je nachdem auch junge Familien – in ihren eigenen vier Wänden, allerdings in direkter Nachbarschaft zu einem Pflegeheim und dessen Angeboten. Wer eines oder mehrere dieser Dienstleistungen nutzen möchte, kann sie – ambulant – in Anspruch nehmen, bleibt jedoch selbstbestimmt in seiner Wohnung.

Altersresidenz: Angebote auch für den dickeren Geldbeutel

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Je nach Vermögenssituation kann auch die Altersresidenz eine Alternative sein. In der hotelartigen Unterkunft mit höchstem Komfort leben die Bewohner relativ autonom und bestimmen ihren Tagesrhythmus selber. Spezielle Dienstleistungen wie Reinigung, Transporte, Organisation und Begleitung von Ferien sowie Mahlzeiten gehören zum Angebot. Eine umfassende Pflege selbstverständlich auch.

Immer mehr Städte und Gemeinden in der Schweiz stellen sich auf die Bedürfnisse der älteren Generation ein. Sie registrieren, dass der Bedarf an unterschiedlichen Wohnraumformen stark zunimmt. Allerdings ist häufig gar nicht nur die Unterkunft selbst das Problem. Zusätzliche Schwierigkeiten bereiten die nähere und weitere Umgebung – beispielsweise punkto Sicherheit und vor allem sozialer Kontakte. Auch die Frage, ob gut erreichbare Einkaufsmöglichkeiten und eine ausreichende ärztliche Versorgung in der Nähe vorhanden sind, spielt bei der Auswahl eine Rolle.

Die Städte reagieren darauf: Nach einer Untersuchung des Schweizerischen Städteverbandes verfügen immerhin drei Viertel davon inzwischen über Gremien, die sich ausdrücklich mit der Alterspolitik beschäftigen. Die Stadt Bern beispielsweise fördert gezielt Bauprojekte für altersgerechtes, hindernisfreies und bezahlbares Wohnen.

Auch in anderen Städten lohnt es sich sicher, nachzufragen. Einen ersten Überblick liefern die Webseiten: Einfach den Namen des Kantons oder der Stadt und «Alterspolitik» eingeben. Oft findet man so schon die richtige Ansprechperson (Beispiele: Kanton Bern, Stadt Zürich, Frauenfeld). Damit der Traum vom selbstbestimmten und unbeschwerten Wohnen im Alter auch Wirklichkeit wird.

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