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Onlineshopping: Wie erkennt man Fake Shops?

Mir ist es passiert. Ich habe eine Werbung auf Facebook gesehen und darauf geklickt. Bevor Sie im Schnäppchenrausch die Sportausrüstung, das Luxusprodukt oder das Hightech-Gadget zu besonders tiefen Preisen kaufen, lesen Sie lieber diesen Artikel.

Begehrte Schnäppchen ...

Ein Klick auf eine Facebook-Werbung leitete mich auf die Website einer «französischen» Marke weiter. Bilder der Produktionswerkstätten, positive Kundenbewertungen, ein elegantes und schlichtes Design: Der Schwindel war perfekt.

Ich liess mich vom Produkt – und vor allem vom guten Preis – zu einem Spontankauf verleiten, ohne gross darüber nachzudenken. Als ich einige Wochen später immer noch kein Paket erhalten hatte, wurde ich langsam misstrauisch. Nachforschungen bestätigten schliesslich meinen Verdacht, dass das Angebot nicht seriös war. Ich war auf einer sogenannten Dropshipping-Website gelandet, also auf einer Website, die als Schaufenster für vermeintlich hochwertige Produkte dient, aber in Wirklichkeit qualitativ schlechte Ware made in China verkauft. Die Produkte trafen dann übrigens drei Monate später bei mir ein – und waren komplett unbrauchbar.  

Sind auch Sie kurz davor, bei einem Schnäppchen schwach zu werden? Beachten Sie diese acht Tipps, damit Sie keinem Fake Shop auf den Leim gehen!

Lederwaren, Schuhe, Sportbekleidung, Sonnenbrillen, Uhren und Hightech-Produkte zu unschlagbaren Preisen? Achtung: Gefahr!

Was ist ein Fake Shop?

Internetbetrüger wissen es genau: Online einzukaufen ist einfach bequem! Sie kennen auch unsere Vorliebe für Sonderangebote und Schnäppchen. Deshalb erstellen sie Websites, auf denen Waren angeboten werden, die oftmals gar nicht existieren. Sie zücken nichts Böses ahnend Ihre Kreditkarte, bezahlen im Voraus ... und erhalten Ihre Bestellung schlussendlich gar nicht. Oder das Produkt ist eine schlechte Fälschung dessen, was im Onlineshop angepriesen wurde. Zwei Arten von Betrug sind im Internet besonders beliebt.

Erster Fall: Die geklonte Website

Das ist sozusagen der traditionelle Betrug. Die Internetbetrüger geben sich als bekannte Marke aus. Sie erstellen eine (mehr oder weniger erfolgreiche) Kopie der Website eines bekannten Anbieters und werben dann für dessen Produkte in sozialen Netzwerken. Natürlich bieten sie diese zu unschlagbaren Preisen an, um Kundschaft anzuziehen.

Diese Fake Shops haben es vor allem auf grosse Marken abgesehen. Lederwaren, Schuhe, Sportbekleidung, Sonnenbrillen, Uhren und Hightech-Produkte zu unschlagbaren Preisen? Achtung: Gefahr!

Mehr als 60'000 gefälschte Onlineshops wurden im November 2019 im Vorlauf zum Black Friday erstellt.

Zweiter Fall: Die Dropshipping-Website

Willkommen in der Grauzone! Dropshipping- oder (zu Deutsch) Direkthandel-Websites sind nicht unbedingt betrügerisch. Die Praxis an sich ist nicht illegal, aber oft irreführend.

So funktioniert es

  • Sie werden bei einem Angebot in einem Onlineshop schwach und kaufen das Produkt.
  • Der Verkäufer erhält Ihre Bestellung. Er ist nicht der Hersteller des Produkts und hat dieses auch nicht auf Lager. Er erteilt also dem entsprechenden Lieferanten den Auftrag und gibt ihm Ihre Adresse.
  • Der Lieferant schickt die Waren direkt zu Ihnen nach Hause, ohne über den Verkäufer zu gehen. 

Wohlgemerkt: Was den Dropshipper ausmacht, ist, dass er selbst keine Lagerbestände verwaltet, sondern die Produkte direkt vom Hersteller versenden lässt.

Ein interessantes Modell ...

Eigentlich ist das ein ganz interessantes Modell. Eine Zwischenstufe entfällt, da die Waren die Lager des Verkäufers nicht durchlaufen müssen. Wenn der Verkäufer sorgfältig hochwertige Lieferanten auswählt, seine Kunden ehrlich informiert und einen professionellen Kundendienst bietet, ist dieses Modell durchaus sinnvoll.

... aber oft irreführend

In der Praxis wird durch Dropshipping oft ein Deckmantel geschaffen, unter dem die Verbraucherrechte mit Füssen getreten werden. Im Extremfall führt das zu unlauteren Praktiken, beispielsweise wenn die Website des Verkäufers (Dropshipper) die Käufer absichtlich glauben macht, dass die Ware aus einem Handwerksbetrieb kommt, sie in Wirklichkeit aber von einem chinesischen Massenproduzenten stammt.

Die Hauptprobleme, die dabei auftreten können

  • Die Lieferfristen sind sehr lang. Es kann sogar vorkommen, dass das Produkt gar nie geliefert wird.
  • Das Produkt entspricht nicht den Fotos und Beschreibungen im Onlineshop.
  • Die Qualität ist mangelhaft.
  • Es ist praktisch unmöglich, die Waren zurückzugeben oder eine Rückerstattung zu erhalten.

Wenn dann schlussendlich ein Paket aus China ankommt, fühlen Sie sich hinters Licht geführt.

Eine Frage der Transparenz

Hinzu kommt noch das Problem der Transparenz. Wenn Sie ein Produkt in einem Onlineshop kaufen, in dem der Verkäufer beispielsweise eine Adresse in der Schweiz, in Frankreich oder in Deutschland angibt, gehen Sie natürlich davon aus, dass Sie das Produkt in Europa kaufen. Sie verlassen sich also darauf, dass der Verkäufer die in diesen Ländern üblichen Standards einhält. Und wenn dann schlussendlich ein Paket aus China ankommt, fühlen Sie sich hinters Licht geführt.

Black Friday, Cyber Monday, Weihnachten – Achtung: Gefahr!

Hacker sind schlau. Vor dem Black Friday und über die Weihnachtstage zeigen sie besonders viel Einsatz. Allein in den ersten 20 Tagen des Monats November 2019 wurden mehr als 60'000 gefälschte Onlineshops aufgeschaltet.* In Lauf des Jahres 2018 hat Switch in der Schweiz mehr als 6'400 Fake Shops geschlossen.** In Zeiten, zu denen wir gewöhnlich auf Schnäppchenjagd gehen, müssen wir also doppelt wachsam sein.

* Quelle: consumerreports.org, «Don't Let Online Shopping Threats Spoil Your Holiday Season», 27. November 2019.
** Quelle: RTSinfo: «Les faux magasins en ligne, une arnaque qui prend de l'ampleur en Suisse», 9. Januar 2019.

Woran erkennt man Fake Shops?

Hier sind acht Tipps, damit Sie nicht auf betrügerische Onlineshops hereinfallen.

1. Seien Sie misstrauisch bei zu guten Angeboten.

Das Schnäppchen ist zu gut, um wahr zu sein? Dann kann es sich um Betrug handeln! Betrügerische Websites machen Angebote, die so attraktiv sind, dass sie Kaufimpulse auslösen. Der Vorteil beim Onlineshopping ist, dass Sie sich die Angebote mit wenigen Klicks sichern können. Wenn Sie obendrein mit dem Vermerk «Nur für eine kurze Zeit» zum Kauf gedrängt werden, ohne dass Sie darüber nachdenken können, sollten Sie misstrauisch sein.

2. Überprüfen Sie die Adresse der Website.

Diese Fragen sollten Sie sich bei der Überprüfung der URL eines Onlineshops stellen:

  • Stimmt die URL mit dem verkauften Produkt überein? Manchmal bemühen sich Hacker gar nicht erst und erstellen Fake Shops mit irgendwelchen Fantasienamen.
  • Ist es wirklich die offizielle Adresse der Markenwebsite? Überprüfen Sie, ob der Markenname richtig geschrieben ist. Geben Sie den Markennamen in eine Suchmaschine ein und vergleichen Sie die URLs. 
  • Beginnt die URL mit http:// oder https://? Das «s» ist hier entscheidend, weil es eine gesicherte Verbindung anzeigt. Wenn die Website sicher ist, erscheint in der Regel auch ein Vorhängeschloss auf der linken Seite der Adressleiste.

3. Meiden Sie Websites von schlechter Qualität.

Ist die Website voller Rechtschreibfehler? Unverständlicher Übersetzungen? Einer Mischung aus Englisch und Deutsch? Verkäufer von Luxusgütern und grosse Marken würden sich niemals so viele Fehler erlauben. Eine Website von schlechter Qualität sollte also sämtliche Alarmglocken zum Läuten bringen.

Aber Vorsicht: Das Gegenteil bedeutet nicht automatisch Entwarnung. Internetbetrüger werden immer professioneller, und die Qualität der Fake Shops wird immer besser. Kurz: Wenn die Website gut gemacht ist, heisst das noch lange nicht, dass sie vertrauenswürdig ist.

4. Überprüfen Sie die Identität der Website.

Ein seriöser Onlineshop enthält immer eine Anschrift. Wer noch sicherer gehen will, kann sogar nach den Inhabern des Domainnamens suchen. Diese Informationen sind öffentlich. Was Ihnen bei der Überprüfung der Legitimität der Website helfen kann:

  • das Logo
  • die Fusszeile
  • die Seiten «Über uns» oder «Wer wir sind»
  • der Eigentümer der Website und der Standort des Servers unter WhoIs
  • allfällige Links zu sozialen Netzwerken (wird man dort auf offizielle geprüfte Seiten weitergeleitet?)

5. Lesen Sie die allgemeinen Verkaufsbedingungen und rechtlichen Hinweise.

Es ist nicht die spannendste Lektüre, aber bevor Sie bei einem vermeintlichen Schnäppchen schwach werden, lohnt es sich, einen Blick darauf zu werfen. Ein paar nützliche Fragen dazu:

  • Sehen die allgemeinen Geschäftsbedingungen ein Rückgaberecht vor? Ist eine Rücksendeadresse angegeben?
  • An wen können Sie sich im Falle einer Beschwerde wenden?
  • Welche Lieferfristen sind angegeben?
  • Können Sie per Rechnung statt im Voraus bezahlen?

6. Machen Sie eine Google-Suche.

Geben Sie den Namen der Website, des Produkts oder des Spezialangebots in Google ein. Fügen Sie einen Suchbegriff wie beispielsweise «Betrug» oder «Scam» hinzu. Wenn es sich um ein Fake Shop handelt und dies bereits aufgedeckt wurde, finden Sie vielleicht Informationen darüber.

7. Verlassen Sie sich nicht auf soziale Netzwerke.

Nur weil die Werbung auf Facebook oder Instagram erscheint, bedeutet das noch lange nicht, dass das Angebot seriös ist. Ebenso entsprechen die begeisterten Kommentare auf Social Media nicht immer der Wahrheit. Lassen Sie sich nicht von diesen positiven, vielleicht komplett erfundenen Meinungen blenden.

8. Kaufen Sie nur auf bekannten Websites ein.

Letztendlich ist das die beste Lösung. Nutzen Sie den Black Friday und Ausverkäufe, um auf Schnäppchenjagd zu gehen und von Niedrigpreisangeboten zu profitieren. Aber tun Sie das besser in grossen Onlineshops, die Sie kennen und die etabliert sind. Hüten Sie sich besonders während des Jahresendverkaufs vor Sonderangeboten, die aus dem Nichts auftauchen – also von einem Onlineshop, den Sie nicht kennen.

Mein Fazit

Ich habe durch mein Missgeschick rund 50 CHF verloren. Auf der anderen Seite bin ich um eine Erfahrung reicher, durch die ich bei Online-Einkäufen vorsichtiger geworden bin. Aufpassen, die richtigen Fragen stellen und nicht unter dem Druck eines zeitlich begrenzten Angebots schwach werden: Das ist vielleicht der beste Schutz beim Onlineshopping.

Zusätzlich können Sie eine Cyber-Versicherung abschliessen. Das Versicherungspaket Safe Pay schützt Sie beispielsweise, wenn Ihre Kreditkartendaten gestohlen werden oder wenn bei einer Online-Bestellung eine Fehllieferung erfolgt.

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