Wohnen & Eigenheim

Bauen gegen den Klimawandel

Was der Klimawandel für die Zukunft des Bauens bedeutet

Unzählige Forschungen rechnen damit, dass der Klimawandel signifikante Auswirkungen auf die Umwelt haben wird. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage: Wie kann man dem Klimawandel aus baulicher Perspektive begegnen?

Grundlagen des Klimawandels

Der Fünfte Sachstandsbericht (AR5) des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen der UN (IPCC) ist die aktuellste, umfassendste und bedeutendste Analyse des Klimawandels. Sie kommt zum Schluss, dass menschliche Aktivitäten, insbesondere der Ausstoss von Kohlendioxid, die Hauptursache für den Klimawandel darstellen. Klimaveränderungen machen sich bereits überall auf dem Planeten bemerkbar: Die Atmosphäre und die Ozeane erwärmen sich, die Menge von Schnee und Eis sowie die damit bedeckte Fläche gehen zurück, die Meeresspiegel steigen, Wettermuster ändern sich.

Ineffiziente Gebäudenutzung

klimawandel-1

Die Energienutzung von Gebäuden in Industrieländern ist in der Regel sehr verschwenderisch. Laufen alle Entwicklungen weiter wie bisher, ist bis 2050 mit einer Verdreifachung des weltweiten Endenergiebedarfs von Gebäuden und der entsprechenden Emissionen zu rechnen. Allerdings kann mit kurzfristig wirksamen und hochrentablen Massnahmen der Energiebedarf von Gebäuden gesenkt werden. Auch in der Schweiz sollen strengere Bauvorschriften und Gerätenormen den Endenergieverbrauch von Gebäuden eindämmen.

Gebäudeschäden nehmen zu

Doch Gebäude sind nicht nur für die globale Erhitzung mitverantwortlich. Ebenso sind sie den verschiedenen Folgen des Klimawandels ausgesetzt. Dazu gehören die Zunahme von Starkwinden, von Hitze («städtische Wärmeinseln») sowie von Überschwemmungen und Waldbränden, die mit bestimmten Extremwetterereignissen einhergehen. Bereits seit mehreren Jahrzehnten ist eine deutliche Zunahme an Gebäudeschäden zu verzeichnen. Ohne Investitionen in bestehende Gebäude und Anpassungen von Bautechniken wird sich die Verwundbarkeit von Gebäuden noch verstärken.

Konsequenzen für die Baubranche

klimawandel-2

Auch die Baubranche ist mit direkten Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert. Extreme Niederschläge könnten zu mehr Bauverzögerungen und entsprechend höheren Kosten führen. Der Klimawandel wird somit wahrscheinlich auch die Länge der Bausaison verändern. Infolge von Extremwetterereignissen steigt auch der Bedarf an Reparatur- und Wiederaufbauarbeiten. Häufigere und stärkere Hitzewellen machen Änderungen in der Gebäudeplanung erforderlich. Möglicherweise muss die heute übliche Architektur zugunsten anderer Bauweisen aufgegeben werden.

Anpassung und Widerstand

klimawandel-3

Wie kann man nun den unter anderem häufigeren und stärkeren Hitzewellen entgegentreten? Zu den Anpassungsstrategien gehören die Nutzung der thermischen Trägheit von Gebäudekörpern, das Kühlen durch Luftventilation oder der Einsatz von Sonnenblenden zur Minderung extremer Temperaturen.

Eine weitere mögliche Gefahr sind trockenheitsbedingte Bodensenkungen, die zu Gebäudeschäden führen können. Der Anstieg der Meeresspiegel und zunehmende Starkregen dürften zu vermehrten Fluten an Küsten und Flüssen führen. Zwar lassen sich Wohn- und Geschäftshäuser für gelegentliche Überschwemmungen rüsten, doch in extremen Fällen wird wohl ein «geordneter Rückzug» die wahrscheinliche Antwort sein.

Zudem wird der Klimawandel auch Folgen für die zahlreichen Baudenkmäler in Europa haben, sowohl durch einzelne Extremwetterereignisse als auch durch dauerhaft höhere Belastungen der Bausubstanz.

Dachbegrünung als Anpassungsstrategie

klimawandel-4

Begrünte Dächer verbessern in erster Linie die mikroklimatischen Verhältnisse am Gebäude selbst. Die thermischen Effekte liegen hauptsächlich in der Abmilderung von Temperaturextremen im Jahresverlauf. Die Vegetationsschicht und deren Verdunstung vermindern das Aufheizen der Dachflächen bei intensiver Sonneneinstrahlung im Sommer und den Wärmeverlust des Hauses im Winter. Dies führt zu einer ausgeglichenen Klimatisierung der Räume und senkt den Heizenergiebedarf.

Neben diesen klimatischen Effekten können Dachbegrünungen auch die Luftqualität im Stadtgebiet verbessern, da sie Luftverunreinigungen (vor allem Feinstaub) binden und herausfiltern.

Ein weiterer positiver Effekt von Dachbegrünungen ist der Regenwasserrückhalt, indem 70 (extensive Begrünung) bis 90 Prozent (intensive Begrünung) der Niederschläge von der Vegetationsschicht aufgefangen und durch Verdunstung wieder an die Stadtluft abgegeben werden.

Dachbegrünung als Anpassungsstrategie

Illustration_Klimawandel_de

Das Potenzial für Energieeinsparungen bei bestehenden und neuen Gebäuden ist beachtlich: Es liegt bei 50 bis 90 Prozent. Dazu kommt: Viele Möglichkeiten zur Minderung des Energieverbrauchs sind sofort verfügbar und sehr profitabel:

1. Energieeffiziente Technologien
Seit Energiebilanz und CO2-Ausstoss ein Thema ist, arbeitet die Wissenschaft an modernen Lösungen. So sind Gebäudehüllen heute viel leistungsstärker. Dadurch entweicht im Winter weniger Wärme und im Sommer bleiben die Räume auch ohne zusätzliche Kühlung angenehm temperiert. Im Kleinen sparen moderne Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Backofen und Beleuchtungsanlagen Energie. Bei Neubauten wird vermehrt auf die effiziente Nutzung von Tageslicht geachtet und die Stromnetze stimmen sich immer besser ab.

2. CO2-Effizienz
Einen grossen Ansatzpunkt bieten hier die Kühlung und das Beheizen von Wohnräumen. Sowohl der Strom für die Nutzung einer Klimaanlage wie auch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen verursachen erhebliche CO2-Emissionen. Die Gewinnung von sauberem Strom – also aus erneuerbaren Quellen – verbessert zwar bereits heute in vielen Ländern die Bilanz, es besteht aber weiterhin Luft nach oben. Die Politik kann mit Subventionen weitere Anreize schaffen, sowohl für Energiebetriebe wie auch Haushalte, beispielsweise mit finanzieller Unterstützung beim Bau von Solaranlagen.
 

3. Effizienz von Systemen & Infrastruktur
Kommen moderne Technologien bei der Infrastruktur zum Einsatz, entstehen Passivhäuser oder energieautarke Gebäude. Der Bedarf an Energie wird minimiert oder durch gebäudeeigene Energieanlagen gedeckt.
 

4. Verringerung der Nachfrage durch Hinterfragen des Verhaltens
Wir als Endnutzer können durch kleine Änderungen im Alltag viel Energie einsparen. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Steckleisten mit Off-Schalter, die Heizung einige Grade niedriger einstellen, Stosslüften statt Dauerlüften, die Waschmaschine nur bei Vollladung laufen lassen und technische Geräte immer ausschalten, statt sie im Stand-by-Modus zu lassen.

Hypothek aufstocken? Kontaktieren Sie uns

Das könnte Sie auch interessieren:

Haben Sie eine Frage? Top