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Die Band Pandour in fünf Geschichten

Was haben ein Abrisshammer und Elvis gemeinsam? Sie haben die Fribourger Band massgeblich beeinflusst – aber weniger musikalisch.

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Musikalisch lässt sich Pandour schwer einordnen – wahrscheinlich auch dank der Zusammensetzung der Fribourger Band: Luc Bersier und Michael Francey sind klassiche Electro-Produzenten und Simon Mozer und Adrien Clotzwei Gitarristen. Das Quartett macht schöne, deepe und tanzbare Ambientmusik. Elektronische Beats mit Einflüssen aus Jazz, Blues, HipHop und einer Prise Orient. Wer damit nichts anfangen kann: Pandour klingt ein wenig nach Nicolas Jaar – nur aus Fribourg eben. Seit ihrem ersten grossen Auftritt an der Bad Bonn Kilbi 2013 hat sich viel um die Band getan. Pandour spielten diverse Gigs an namhaften nationalen Festivals und in renommierten Clubs und im April letzten Jahres liessen sie ihr Debütalbum “Ursa Minor” folgen.

Wir treffen die vier Charakterköpfe während den Dreharbeiten zur Noisey-Short-Doku “Walls of Sound” in ihrem authentischen Studio in Fribourg. Obwohl er mit nur knapp zwölf Quadratmetern nicht viel Platz bietet, ist der brachial und chaotische Touch der Band klar zu erkennen.  Wir lassen die Jungs zu fünf Gegenständen, die ihren Bandraum genau zu ihrem Bandraum machen, eine Geschichte erzählen. Die Gruppe freut sich sichtlich über die Aufgabe und muss nicht lange überlegen: Kurzum packen sie Story um Story aus und zeigen uns die dazugehörigen Requisiten, die wenig materiellen dafür viel emotionalen Wert für sie haben. Eigentlich sollte jedes Bandmitglied eine Story erzählen, aber jeder gibt überall seinen Senf dazu. Pandour in fünf enthusiastisch geschilderten Geschichten:

“Beginnen wir mit unserem Drumpad: das Millenium DP-1000. Ein echtes Schrottteil, das Billigste auf dem Markt. Ich glaube, wir haben knapp 100 Franken dafür bezahlt. Grund: Irgendwann hatten wir die fixe Idee, dass wir als Band mit DJs und Instrumenten auch ein Live-Element für den Rhythmus brauchen. Also legten wir uns dieses Ding zu. Als wir das Pad endlich hatten, setzten wir es natürlich auf der Bühne ein – jeder wollte mal darauf spielen. Immer wieder verliess jemand seinen Platz, nahm die Schlagzeugschläger hervor und spielte Drums. Es war nie synchron und hat sich echt scheisse angehört. Der Grund für die Live-Perkussion war nicht zuletzt ein ästhetischer – wir dachten, das sähe echt geil aus. Gespielt haben wir circa drei oder vier Shows so, bevor uns ein Kumpel eine Videoaufnahme von unserem Tun zeigte. Wir schauten uns an und entschieden schweigend: Das Drumpad ist für immer Geschichte. Seitdem hat es einen Ehrenplatz in unserem Studio.”

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“Dieses Panel ist ein Gimmick, das früher fix zu unseren Auftritten gehörte. Es ist eine Art Leuchtkasten, an dem du – wie früher bei den Kinos – Buchstaben anbringen und so einen Schriftzug formen kannst. Simon hat dieses Ding irgendwann in einem Brocki entdeckt und es sich für weniger als 20 Franken gekauft. Eigentlich ist es ganz cool. Doch die Buchstaben, die immer in einem Plastiksack lagern, stinken grässlich nach faulen Eiern. Keine Ahnung wieso. Auf jeden Fall war die Leuchttafel immer ein fixes Element auf der Bühne. Wir schrieben jeweils Pandour und einen dummen Spruch drauf. Es war wie eine Art Mantra vor den Auftritten, die Buchstaben zu ordnen und anzubringen. Mittlerweile bleibt das Teil meistens zu Hause, vor allem weil es auf grösseren Bühnen nicht wahrgenommen wird.”

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“Endlich können wir über Gatorade sprechen. Ich möchte es nämlich schon lange trinken! Eigentlich gibt es dazu nicht viel zu sagen. Gatorade hydriert besser als Wasser und es wurde bei uns zum Standard nach Konzerten und sonstigen Feiern – also oft! Am Tag darauf besiegen wir den Kater mit Gatorade. Früher tranken wir alle das legendäre Blaue. Mittlerweile kann das die Hälfte nicht mehr sehen und wir sind in zwei Lager geteilt: zwei trinken nach wie vor das blaue Gatorade, zwei das Weisse. Das weisse Gatorade schmeckt nach Alka Seltzer. Entweder du liebst es oder du hasst es. Das Weisse ist zudem eine Rarität – in Fribourg verkaufen es nur zwei Tankstellen. Diese werden regelmässig um ihren gesamten Gatorade-Bestand gebracht. Uns gäbe es nicht ohne Gatorade am Tag danach.”

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“Kommen wir zum malträtierten Abrisshammer. Symbolisch ist seine Bedeutung für uns gross. Wie man gut sieht, war das Studio vorher durch eine Wand getrennt, die es unbrauchbar klein machte. Die Wand rauszuhauen bedeutete für uns, nach fast sechs Jahren Bandgeschichte erstmals einen anständigen Raum für unsere Musik zu haben. Als gelernter Bauzeichner musste ich die Verantwortung für den Abriss tragen. Dabei gab es aber einiges Unvorhergesehenes zu überwinden: Den Hammer haben wir gleich nach den ersten paar Schlägen zerstört, konnten ihn aber rasch zusammenflicken. Nach weiteren fünf Minuten kam der Besitzer des Restaurants unter uns und fragte, was zur Hölle wir da treiben würden. Wir antworteten cool: “Wir schlagen die Wand raus!”. Er begann sofort, uns zu beleidigen und drohte mit der Polizei – wir taten das Gleiche. Er zog von dannen und meinte nach kurzer Zeit mit einem Lächeln auf den Lippen: “Schon gut Jungs, macht nur weiter.” Ich denke er wollte einfach nicht riskieren, dass die Polizei plötzlich in seinem Lokal steht. Zu guter Letzt: Wir haben etwa zehn Mal mit voller Wucht in die Wasserleitung gehauen, bevor wir unsere Unfähigkeit bemerkten. Noch heute sind wir unendlich froh und dankbar, dass die Leitung unseren Schlägen standgehalten hat.”

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“Die beste Story haben wir uns für den Schluss aufgespart. Diesen kopflosen Papp-Elvis, hinter dem du dich wie ein Idiot hinstellen kannst, um Fotos zu machen, haben wir nach einem Auftritt geklaut. Wir spielten an der EPFL für den Abschluss einer Architekturklasse unseren miserabelsten Gig. Daran war nicht nur die Organisation schuld, auch von unserer Seite lief es nicht so wie geplant. Nach dem Konzert fanden wir, jung, dumm, in einem Auswuchs jugendlichen Leichtsinns, dass wir etwas mitgehen lassen müssen. Michael wollte zuerst einen Feuerlöscher klauen, dann fiel das Augenmerk auf irgendein Kunstobjekt aus Plastik. Schliesslich entdeckten wir ihn: den kopflosen Elvis. Das Besondere daran: Elvis war die Hauptattraktion des Abends; es standen tatsächlich 20 Personen Schlange, um sich mit diesem Pappding fotografieren zu lassen. Das sagt viel über die Party aus. Ein Security-Mitarbeiter stand in der Nähe und beobachtete die Szene. Wir schlichen also um den Elvis herum und überlegten uns, wie wir ihn nach Hause bringen. Zwei von uns war das rasch zu doof, sie zogen von dannen und warteten im VW-Bus. Etwas später bemerkten wir, dass der Sicherheitsmann nicht mehr an seinem Platz stand. Gleichzeitig löste sich langsam die Befestigung des Elvis’ und er drohte zu kippen. Wir ergriffen unsere Chance, liefen zielstrebig auf den Elvis zu, packten ihn mit den selbstverständlichen Worten “Oh nein, dieser Elvis. Immer dasselbe. Wir müssen ihn rasch reparieren”. Fachmännisch nahmen wir die Pappfigur unter die Arme und liefen Richtung Ausgang. Erste Hürde: Der Sicherheitstyp läuft uns entgegen – er hält uns freundlich die Tür auf. Zweite Hürde: Auf dem Parkplatz läuft uns ein Techniker über den Weg – in Arbeitshose, also voll ausgestattet. Er roch den Braten, hielt mich an (Michael lief mit dem Elvis weiter) und meinte: “Was macht ihr?” “Wir reparieren den Elvis”, entgegnete ich gelassen. Doch er blieb hartnäckig und meinte, dass er Klebeband bei sich habe, um den Elvis wieder anzubringen. Ich rief Michael hinterher, der mit dem Elvis schon fast beim Auto stand: “Hey, der Typ hat Scotch!” Gleichzeitig liess ich den Techniker zurück und rannte schliesslich Richtung Auto. Wir schmissen den Elvis in den Kofferraum und düsten davon. Doch damit noch nicht genug: Circa 200 Meter weiter vorne hielten wir an, um unseren Lachkrampf und den Adrenalin-Kick zu verarbeiten. Dabei trafen wir auf zwei kleine, kiffende Gangsters, die uns wegen Zigaretten anquatschten. Wir stellten fest, dass sie keine Eintrittsbändel für das Fest haben, an dem wir eben gespielt hatten. Wir zogen unsere Backstage-Bändel aus und drückten sie den beiden Kiffern in die Hand – inklusive Wegbeschreibung zum Backstage mit Information, wo der Alkohol zu finden sei. Voilà, das ist Elvis’ Weg zu unserem Studio-Talisman.”

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