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Rocky Wood in fünf Geschichten

Die Tessiner Band erzählt, welche fünf Dinge sie seit ihrer Gründung am meisten geprägt haben.

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Die Luganer Band Rocky Wood zaubert aus Alt-Folk- und psychedelischen Post-Rock-Einflüssen liebevollen Pop. Diese magische Mischung stellten sie bereits auf ihrem Erstling Shimmer unter Beweis. So lässt sich ihr Sound am treffendsten als “einfach schöne Musik” beschreiben. Die Band formt sich aus den beiden Gitarristen Fabio Besomi und Roberto Pianca und der schweizerisch-amerikanischen Sängerin Romina Kalsi. Bereits 2012, im Gründungsjahr der Band, stiessen Stefano Senni am Bass und Nelide Bandello am Schlagzeug dazu und vervollständigten die Band zur heutigen Konstellation.

Wir treffen Romy, Fabio und Roberto nach einer durchzechten Nacht. Ruhe bekamen sie heute aber keine: Das Trio zeigte Noisey-Host Maximilian bereits ihre Heimat Lugano und ihr Daheim – in diesem Fall Fabios Privatwohnung und ihren Bandraum Il Domani, auf Deutsch: das Morgen. In einer kurzen Drehpause erzählen die drei sichtlich mitgenommenen Bandmitglieder anhand von fünf persönlichen Dingen ihre Bandgeschichte.

“Gleich zu Beginn möchten wir über dieses Foto sprechen. Es ist für uns alle sehr prägend und emotionsgeladen. Es handelt sich um den Ausblick aus unserem Studio, beziehungsweise aus dem Studio unseres guten Freundes Andrea. Wir verbrachten seit Gründung der Band viel Zeit an diesem idyllischen Ort in Varano Borghi am Comabbio See. Wir spielten draussen Pingpong und tranken unser Bier am Seeufer. Geschlafen haben wir in einer nahegelegenen Farm bei einem sympathischen Bauern. Andrea ist der engste Freund der Band. Seit der Gründung von Rocky Wood werden unsere Aufnahmen in seinem Studio von ihm zusammengestellt. Andrea war seit jeher unser Sounddesigner, er hat Shimmer produziert und war nun mit uns an den Arbeiten fürs nächste Album. In seiner Arbeit war er eine überaus kompetente Person – aber auch auf menschlicher Ebene sehr beeindruckend. Dank seiner ungewöhnlichen Empathie wusste er sofort, wenn irgendwer von uns nicht ganz auf der Höhe war. Es gibt so Leute, die das einfach fühlen. Leider mussten wir vor zwei Wochen von seinem tragischen Tod erfahren. Andrea Cajellil verstarb Ende Januar 2017 an einem Herzinfarkt – im viel zu jungen Alter von 39 Jahren. Wir können es noch immer nicht richtig begreifen, sind geschockt und unendlich traurig. Auch stellt sich für uns die Frage, wie es nun weitergehen soll und ob wir psychisch überhaupt in der Lage sind, an seiner einstigen Wirkungsstätte weiterhin Musik aufzunehmen. Nichtsdestotrotz haben wir die schönsten und besten Erinnerungen an den Ort und im Besonderen an einen wundervollen Menschen: Andrea Cajelli. Die guten Erinnerungen an ihn werden wir ewig hochhalten.”

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“Ein besonderes und vor allem seltenes Ereignis erlebten wir bei einem Auftritt in La Chaux-de-Fonds. Wir bemerkten rasch eine Gruppe Personen, die nah bei der Bühne tanzte. Einer ihrer Freunde stand während des ganzen Abends ziemlich regungslos und mit neutralem Gesichtsausdruck daneben. Man konnte erkennen, dass er die anderen Leute kannte, aber zumindest an diesem Abend lieber alleine war. Nach dem Konzert lief der Typ Romina hinterher und steckte ihr stillschweigend einen Zettel zu, auf dem dann schliesslich zu lesen war: ‘Es war aussergewöhnlich. Ich habe geweint, während dem ich euch zugehört habe. Ihr habt in mir alles hervorgeholt – die Schönheit, die Traurigkeit und den Glauben.’ Der Mann war etwa 40 Jahre alt und hiess Stéphane, wie wir später erfuhren. Ein aussergewöhnliches und berührendes Erlebnis.”

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Romy: “Das ist mein kleiner Shimmer. Er heisst so, weil ich ihn fast gleichzeitig mit dem Erscheinen unseres gleichnamigen Debütalbums bekam. Er ist viel mit uns unterwegs und musste mit knapp sechs Monaten mit uns im Van auf Tour gehen. Für uns war das eine lustige Tour. Für Shimmer wohl weniger. Doch ich konnte es nicht übers Herz bringen, ihn schon so früh Fremden zu überlassen. Leider wurde Shimmer auf seiner ersten Tour krank, sodass er uns regelmässig in den Van gekotzt hat. Später auch noch ins Hotel. Wobei … Das war eine andere Story – da hatte er Durchfall. Es wird nie langweilig mit ihm und die meisten Erlebnisse sind natürlich schöner Art. Sehr bewegend war es an einem Konzert in Italien. Das Gelände war ebenerdig; sprich die Band und das Publikum standen auf derselben Höhe. Shimmer wurde von unseren Betreuern liebevoll versorgt. Trotzdem konnte er aus der Küche abhauen und rannte natürlich sofort zu mir auf die Bühne. Ich nahm ihn auf den Arm, sang weiter und er schlief ein. Das sind so Momente, in denen mir die beruhigende Wirkung unserer Musik auffällt. Ich sehe auch oft Familien mit Kindern – letztere schlafen ganz oft brav zu unserer Musik ein. Ich will damit keinesfalls sagen, dass wir Musik zum Einschlafen machen, doch ist es eben schöne, beruhigende und sanfte Musik.”

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Fabio: “Das war unser erster Flyer respektive das erste Rocky-Wood-Plakat. Ich war zu dieser Zeit in Berlin bei meinem guten Freund Elia Baletti, der selbst auch Künstler ist. Dieser zeichnete uns dann diesen Uhu und schlug mir auch gleich den Bandnamen Rocky Wood vor. Wir folgten seinem Rat. Beim Design hat er sich sogar was überlegt: Das ‘R’ und das ‘W’, formen den Uhu. Weil uns das Artwork so sehr gefiel, wurde der Uhu zu unserem Maskottchen und wenig später zu unserem ersten Logo, von dem wir auch Sticker drucken liessen. Besonders an diesem Plakat ist, dass wir auf unserer ersten Tour noch ohne unsere CDs unterwegs waren. Das Album war noch nicht draussen. Also waren das Plakat sowie einige Bags unser einziges Merchandise. Jeder wollte nach unserem Konzert die CD und wir meinten bloss: Wir haben nur Plakate und Bags. Diese liessen sich nur schwer verkaufen. Wir haben daraus gelernt. Mittlerweile ist der Flyer noch eine schöne Erinnerung. Als Logo verwenden wir den Uhu nicht mehr und kriegen von unserem Label fürs nächste Album ein neues.”

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Roberto: “Unser erstes Album Shimmer ist für uns alle ein bedeutungsvolles Werk. Das geht wohl fast jeder Band so. Wir haben viele gute Erinnerungen an das gemeinsame Aufnehmen. Generell hatten wir immer sehr viel Spass dabei. Mit dem Tod unseres geschätzten Freundes Andrea hat das Album noch mehr an emotionalem Wert für uns gewonnen. Es wird uns – zusammen mit den Erinnerungen an die gemeinsamen Tage im Studio – immer die schönste Erinnerung an ihn sein. Gefallen tun mir auf dem Album eigentlich alle Songs, doch wenn ich mich auf eines festlegen muss, ist es ‘Selfer Seed’. Ich weiss, dass das auch für Fabio gilt. Gerne spanne ich hier den Bogen zu unserem neuen Album, das in der Pipeline steht. Wir werden am 23. April zum ersten Mal wieder ins Studio von Andrea zurückgehen. Dort versuchen wir, mit seinem besten Freund die Arbeiten an unserer halbfertigen EP fortzusetzen. Das wird ein sehr spezieller, ungewohnter und schwieriger Moment. Wir hoffen, die nötige Kraft dafür zu finden, sodass die EP gegen Ende September des aktuellen Jahres bei unserem Label On the Camper erscheinen können.”

Dieser Inhalt kommt von unserem Partner Noisey
Text: Dino Dragic-Dubois / Fotos: Mina Monsef

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