Wohnen & Eigenheim

Schäden durch Kinder

Wer haftet?

Betrachten wir zunächst die rechtliche Situation. Ob ein Kind für einen Schaden haftet, hängt davon ab, ob es urteilsfähig ist. Urteilsfähig heisst, das Kind kann die Konsequenzen seines Tuns erkennen und entsprechend handeln. Gerichte gehen ab dem neunten Altersjahr vom Vorliegen einer Urteilsfähigkeit aus.

Haftung der Eltern

Ist die Urteilsfähigkeit gegeben, prüft man die Höhe des Verschuldens. Hier gilt: Je höher das Verschulden, desto höher der Anteil, der für den Schaden bezahlt werden muss. Auch Eltern können verantwortlich gemacht werden. Nämlich dann, wenn sie ihre Aufsichtspflicht vernachlässigen. Gerichte urteilen nach dem Grundsatz, dass die Aufsichtspflicht der Eltern mit zunehmendem Kindesalter sinkt. Je älter das Kind, desto mehr Verantwortung trägt es für sein Handeln.

Familienversicherung

Ob absichtlich oder nicht – Schäden passieren. Eine Privathaftpflichtversicherung ist deshalb sinnvoll. Am besten eine, die die ganze Familie versichert. Wichtig dabei: Wenn das Kind absichtlich einen Schaden verursacht, zahlt auch keine Haftpflichtversicherung.

Schadensort

Schäden zu Hause

Aber wie sieht es mit der Haftung konkret aus? Im Folgenden einige Beispiele, die illustrieren, wer wann und warum für einen Schaden verantwortlich ist. Verursacht ein Kind einen Schaden im eigenen Zuhause, ist es entscheidend, ob es sich dabei um eine Mietwohnung oder Wohneigentum handelt. Bei einer Mietwohnung ist der Schaden grundsätzlich von der Privathaftpflichtversicherung gedeckt. Bei Wohneigentum kommt die Privathaftpflichtversicherung nicht zum Tragen, da es sich um einen Eigenschaden handelt.

Schäden auswärts

Ein Schaden bei den Grosseltern oder Verwandten ist von der Privathaftpflichtversicherung gedeckt. Verursacht ein Kleinkind jedoch in der Kinderkrippe einen Schaden, so sind weder das Kind noch dessen Eltern haftbar. In der Krippe liegt die Aufsichtspflicht bei der Kleinkinderzieherin. Verschmiert das Kind also die Jacke eines anderen Kindes mit Farbe, so stellt sich die Frage, ob die Kleinkinderzieherin ihre Aufsichtspflicht verletzt hat. Ist dies der Fall, trägt die Haftpflichtversicherung der Kinderkrippe den Schaden.

Notbremse als Spielzeug

Zieht ein siebenjähriges Kind im Tram die Notbremse, haftet es nicht. Allerdings könnten die Eltern zur Rechenschaft gezogen werden. Nämlich dann, wenn sie ihr Kind nicht genügend beaufsichtigt haben.

Geringe Verschuldung

Wenn ein zwölfjähriger Junge in einem Museum ein teures Bild beschädigt, dürfte die Haftung dieses Kindes zu bejahen sein. Da sein Verschulden jedoch gering ist, wird es nicht den vollen Schadenersatz leisten müssen. Auch wenn ein Fünfzehnjähriger einen Ball in die Scheibe eines vorbeifahrenden Autos kickt, ist er zwar grundsätzlich urteilsfähig, sein Verschulden aber ebenfalls eher gering. Hinzu kommt: Laut Gesetz sind Autos generell gefährliche Verkehrsmittel. Wegen dieser sogenannten Betriebsgefahr wird der Autofahrer ebenfalls haftbar – unabhängig von seinem Verschulden. Die Schadenersatzpflicht ist folglich erheblich reduziert.

Fangis im Warenhaus

Ein sechsjähriges Kind spielt mit einem anderen in der Lebensmittelabteilung eines Einkaufszentrums. Da berührt eines der beiden ein Regal. Das Regal fällt um, die meisten Waren sind kaputt. Hier haftet das Kind nicht, da es nicht urteilsfähig ist. Die Eltern könnte unter Umständen eine Haftung treffen. Nämlich dann, wenn sie dem Kind das Spielen im Warenhaus nicht untersagt haben sollten.

Zusammenstoss

Ein vierjähriges Kind fährt mit seinem Scooter in ein Auto und beschädigt dessen Lackierung. Wenn, dann haften hier die Eltern, sollten sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Würde deren Haftung (beziehungsweise die Haftung eines Elternteils) bejaht, käme die Privathaftpflichtversicherung zum Tragen.

Absichtlich kaputt gemacht

Ein elfjähriges Kind beschädigt absichtlich eine Schaukel auf einem Spielplatz. Das Kind ist in diesem konkreten Fall als urteilsfähig einzuschätzen und muss entsprechend für den Schaden aufkommen. Die Privathaftpflichtversicherung zahlt in diesem Fall nicht (vorsätzliche Schädigung).

Wissen Ihre Kinder Bescheid?

In den meisten Fällen kommen Eltern für den Schaden ihrer Kinder auf. Doch rein rechtlich betrachtet müssen Eltern nicht bezahlen, falls sie ihre Aufsichtspflicht erfüllt haben. Was geschieht also, wenn die Schadenssumme sehr hoch ist? In diesem Fall werden Kinder möglicherweise erst belangt, wenn sie selber Geld verdienen – und starten so mit Schulden ins Berufsleben. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder aufklären und auf mögliche Folgen ihres Handelns hinweisen.

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