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Vorsicht beim Online-Shopping

Online-Shopping ausserhalb der Öffnungszeiten ist praktisch, doch in der Schweiz existieren Besonderheiten beim Rückgaberecht.

Online-Shopping ist praktisch

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Am Abend in Ruhe weltweit Angebote vergleichen, Bewertungen analysieren und das Passende per Klick nach Hause liefern lassen – das Einkaufen per Internet wird immer beliebter. Und der Siegeszug scheint nicht aufzuhalten zu sein: Im Jahr 2016 betrug das Marktvolumen im Schweizer Online- und Versandhandel rund 7,8 Milliarden Schweizer Franken – Tendenz steigend. Besonders beliebt: Heimelektronik und Textilien. Zumindest bei Ersterem ist der Preisvergleich ganz einfach. Schon bei den ersten Suchergebnissen werden oft die verschiedenen Anbieter mit Preisen angezeigt.

Viele Argumente für das Online-Shopping
Die Argumente scheinen überwältigend: Man bleibt warm und trocken, es gibt weder geschlossene Läden, noch ist die Auswahl begrenzt und die Lieferzeiten werden immer kürzer. Und die Ideen für weitere Service sprudeln: So werden Lieferungen per Drohnen geplant und es gibt bereits einen Wiederbestell-Button für Verbrauchsmittel per Knopfdruck, den man direkt am Einsatzort montieren kann. Ein grosser Händler geht jetzt sogar noch einen Schritt weiter. Er hat sich ein Verfahren patentieren lassen, das Lieferungen schon vor der Bestellung startet .  

Doch nicht immer ist diese Art von Einkauf die beste Wahl. Während bei Hi-Fi-Geräten, Büchern oder Software die Angebote einfach zu vergleichen sind, ist das bei anderen Dingen wie Textilien sehr viel schwerer der Fall. Stoffqualität und die richtige Grösse sind hier oft ein Glücksspiel. Der direkte Vergleich verschiedener Hersteller kann nicht direkt vollzogen werden – wie zum Beispiel im Einkaufszentrum. Das führt oft dazu, dass der Rock oder die Bluse in verschiedenen Ausführungen nach Hause bestellt werden. Das Anprobieren findet dann im heimischen Wohnzimmer statt. Und die aussortierten Produkte werden zurückgeschickt.

Die Vorteile des Fachhandels

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Wer gewillt ist, selbst zu recherchieren, um das richtige Produkt zu finden, für den ist das Online-Shopping eine Hilfe. Doch wer noch nicht weiss, welches Gerät genau den persönlichen Wünschen entspricht, der ist vom Überangebot oft geblendet. Schlimmer noch: Ob der günstige Preis des Vorjahresmodells tatsächlich ein Schnäppchen ist oder aber technisch überholt, ist für den Laien oft nicht ersichtlich.

Die Beratung in einem Fachgeschäft kann der Online-Handel nur eingeschränkt ersetzen. Während der qualifizierte Verkäufer die Bedürfnisse und Möglichkeiten analysieren kann, um das richtige Produkt zu wählen, sind die Kommentare und Kritiken der Kunden zu den Produkten nicht immer aussagekräftig und helfen nur beim Ausschlussverfahren.

Kein Rückgaberecht in der Schweiz
In der EU gilt für den Online-Handel ein gesetzliches Rückgaberecht von Waren. Innerhalb einer Frist kann der Kunde ohne Angabe von Gründen vom Kauf zurücktreten. Nach Rücksendung der Ware erhält er den vollen Kaufpreis erstattet. Das gilt nicht für die Schweiz. Ein Rückgaberecht gibt es nur für Bestellungen per Telefon – der Online-Handel wurde explizit ausgespart. Rein rechtlich ergibt sich daraus eine Besonderheit: Kauft ein Bewohner Österreichs oder aus Deutschland online bei einem Schweizer Unternehmen ein, besteht das Rückgaberecht. Für einen Schweizer Kunden bei demselben Unternehmen gibt es keinen gesetzlichen Anspruch. 

Tatsächlich bieten viele Versandhändler ähnliche Rückgabeoptionen an, um Kundenbindung und Marketing zu betreiben. Diese Optionen sind allerdings freiwillig, also ohne rechtlichen Anspruch.

Tipps für den Online-Kauf

  • Rückgabemodalitäten vorab klären
    Manchmal gibt es Vorgaben, die den Umtausch oder die Rückgabe erleichtern. Zum Beispiel, dass die Etiketten an der Kleidung nicht entfernt wurden.
  • Versandkosten absprechen
    Auch wichtig: Wer trägt die Kosten des Rückversands? Wenn das zuungunsten des Käufers ausgelegt wird, wandeln sich kleine Schnäppchen im Nachhinein zu teuren Produkten.
  • Was tun im Garantiefall?
    Auch hier lohnt der Blick in das «Kleingedruckte» vor dem Kauf. Und nach der Lieferung ist es sinnvoll, Garantiekarte und Bestätigungsmails des Versenders aufzuheben beziehungsweise gesondert in einen Ordner abzuspeichern. 
  • Nicht verführen lassen (gilt auch im Offline-Handel)
    Nur weil etwas vermeintlich deutlich im Vergleich zum «Listenpreis» gesenkt wurde und prominent beworben wird, muss es kein Sonderangebot sein. Oft findet man genau das Produkt sehr viel billiger bei einem anderen Anbieter im Netz oder im örtlichen Einkaufcenter. Und manchmal bereut man wenige Tage danach, dass man sich hat hinreissen lassen. Tipp: Einfach das Produkt ein paar Tage im virtuellen Warenkorb des Anbieters «parken». Wenn es nach drei Tagen immer noch verlockend wirkt, kann man immer noch zur Tat schreiten.
  • Warenkorb prüfen
    Grosse Versandhändler und Online-Portale werten ununterbrochen Nutzerdaten aus. Daraus werden unter anderem Verkaufsstrategien abgeleitet. Dazu gehört auch die Preisbildung. Je nach Wohnort, Verkaufshistorie und Gerät wird der Kaufpreis angepasst. Wer zum Beispiel mit einem iPhone bestellt, kann durchaus teurere Summen angezeigt bekommen als andere. Denn Apple-User gelten als eher vermögend und statusorientiert. Aber auch der Preis im Warenkorb selbst kann sich über die nächsten Tage ändern. Je näher Weihnachten rückt, desto mehr kann es zu Steigerungen kommen. Liegt ein Produkt über mehrere Wochen im «Körbchen», wird der Preis auch mal gesenkt, um den Kaufanreiz zu erhöhen.
  • Zahlungsmöglichkeiten abwägen
    Die Bezahlungsarten im Internet sind vielseitig: Vorauskasse, Lieferung auf Rechnung/Nachnahme, Debit-Zahlung, Eingabe der Kreditkartendaten oder Nutzung eines Online-Bezahldienstes wie Paypal. Grundsätzlich gilt: Nur bei vertrauenswürdigen Händlern bestellen. Online-Bezahldienste haben den Vorteil, dass die eigene Bankverbindung nicht bei dem Händler eingegeben werden muss – aber auch hier ist Datenschutz und Serverstandort von Bedeutung. Und nicht alle Möglichkeiten bieten eine einfache Option, im Streitfall das Geld zurückzufordern. 

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