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Ihre Daten – Das Gold des Internets

Cyber-Check
Internet und Social Media sind aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken. Die verschiedenen Angebote sind praktisch und helfen uns durch unseren (Geschäfts-)Alltag.

Gratisdienste gegen Privatsphäre

Was wir im Internet alles über uns preisgeben und wie damit Milliarden verdient werden

Wir alle nutzen das Netz bedenken- und kostenlos. Den meisten von uns ist dabei gar nicht bewusst, wie viele Daten die von uns verwendeten Dienste über uns haben. Dabei ist der einst humorvoll gemeinte Spruch «Facebook weiss mehr über dich als deine Freunde» schon lange zur Realität geworden.

Mit einem Facebook-Profil gibt man viel über sich preis. Der Konzern wertet nicht nur Profilangaben, Likes und Interaktionen mit anderen Nutzern aus. Auch Fotosammlungen, GPS-Daten, SMS und der Verlauf der Telefonate werden routinemässig ausgewertet. Die Facebook-Töchter Instagram und Whatsapp lesen auch das Adressbuch des Smartphones aus und geben diese Daten weiter.

Facebook kann man sich entziehen, indem man einfach seine Mitgliedschaft beendet und die Apps deinstalliert. Bei Google ist das schon deutlich schwieriger, da das Unternehmen mit seinen qualitativ hochstehenden Services wie Gmail, Google Maps, Google Docs oder YouTube sich zunehmend in unserem Alltag einnistet. Die Vormachtstellung zeigt sich besonders bei der Suchmaschine und «googeln» gilt als Synonym für die Websuche. Experten bezeichnen denn auch Google als den extremsten Datensammler.

Datensammler im Haus

Und wir holen auch bedenkenlos Datenspione in unsere Privathaushalte. Etwa mit sprachgesteuerten Smart Speakers wie Google Home, Home Pod von Apple oder Amazon Echo, die uns rund um die Uhr «zuhören». Sinnbildlich für die immer stärkere Vernetzung von Gegenständen im Privatbereich und der damit einhergehenden Preisgabe personenbezogener Daten stehen die Smart-TVs. Wie viele Besitzer eines schönen Samsung-TVs sind sich wohl bewusst, dass ihr Nutzerverhalten lückenlos an den Hersteller übermittelt wird?

Ein weiterer unersättlicher Datensammler ist Amazon. Der Online-Händler legt detaillierte Kundenprofile an. Er weiss nicht nur, was Sie gekauft oder wonach Sie gesucht haben, sondern merkt sich auch, von welcher Webseite aus Sie auf die Amazon-Seite gewechselt haben und wohin Sie nach Ihrem Besuch weitergesurft sind. Übrigens macht der Gigant den Grossteil seines Umsatzes heute gar nicht mehr mit dem Versand von Waren, sondern mit seinen Cloud-Services.

Dunkle Wolken

In einer Cloud werden die Inhalte allerdings nicht bloss gespeichert, sondern auch gelesen und ausgewertet. In den Nutzungsbedingungen der meisten Cloud-Dienste wie Amazon Cloud, Google Drive, Microsoft Onedrive oder Dropbox ist festgehalten, dass Sie die Rechte an Ihren Inhalten dem Anbieter übertragen. Gerade bei weltweit tätigen Anbietern sollten Sie bedenken, dass viele Länder deutlich weniger strenge Datenschutzgesetze als wir haben. Und sobald die Daten auf Servern in solchen Ländern gespeichert werden, gelten die dortigen Gesetze.

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Skandale zuhauf

Facebook war vergangenes Jahr von einem Datenskandal betroffen. Die Affäre um Cambridge Analytica hat gezeigt, dass User-Daten in den falschen Händen für gefährliche Ziele missbraucht werden können. Das auf Datenanalyse spezialisierte Unternehmen war im US-Wahlkampf für das Trump-Team tätig und hatte zuvor grosse Datenmengen von Facebook gekauft.

Zwar behauptete Cambridge Analytica, diese Daten seien nicht für den Wahlkampf verwendet worden. Manager der Firma liessen aber durchblicken, dass sie eben doch für die gezielte Ansprache von Wählern im Internet genutzt wurden und so zur Wahl Trumps zum US-Präsidenten beigetragen hatten.

Im Gegensatz zu Firmen wie Facebook oder Google präsentiert sich Apple als Vorreiterin in Sachen Datenschutz. Apple-CEO Tim Cook lässt keine Gelegenheit aus, um zu betonen, dass sein Unternehmen nur die nötigsten Nutzerdaten sammle. Seine Kernbotschaft lautet, dass bei Apple nicht die Kunden bzw. deren Daten das Produkt seien.

Nun ist aber bekannt geworden, dass der iPhone-Hersteller einen Deal mit Google abgeschlossen hat. Dieser besteht darin, dass auf allen iPhones, iPads und iPods die Google-Suche beim hauseigenen Browser Safari als Standard eingestellt ist. Dafür kassierte Apple gemäss inoffiziellen Schätzungen allein 2018 gegen 9 Milliarden Dollar, weit mehr als das Vermieten von Online-Speicherplatz mit iCloud oder der Streaming-Dienst Apple Music dem Konzern einbringen.

Google allüberall

Google ist nicht nur auf Smartphones und Tablets, die mit dem hauseigenen Android laufen, präsent, sondern auch auf allen Geräten mit iOS als Betriebssystem und erhält somit die Daten von praktisch allen Mobilgeräten weltweit. Google zementiert mit diesem Deal seine Vormachtstellung weiter. Die EU kam zum Schluss, dass der Konzern mithilfe von Android seine Marktmacht auf unlautere Weise ausbaue und hat 2018 eine Geldstrafe von 4,3 Milliarden Euro gegen Google verhängt.

Aber auch bei anderen Software-Riesen herrscht Nachholbedarf in Sachen Datenschutz. So ist etwa das aktuelle Windows 10 das neugierigste Windows, das es je gab. Insgesamt trackt Microsoft nach eigenen Aussagen bis zu 25 000 unterschiedliche Events in der Software und sendet diese an die Server des Unternehmens. Zwar können die Nutzer in den Einstellungen zahlreiche Beschränkungen setzen. Bloss weiss man inzwischen, dass der Aktivitätsverlauf auch dann noch Daten an Microsoft sendet, wenn er eigentlich ausgeschaltet ist.

Gratis hat seinen Preis

Wir haben uns alle daran gewöhnt: Im Internet kosten die meisten Services nichts. Wir lesen auf den News-Portalen kostenlos die neuesten Nachrichten, kommunizieren gratis über Social-Media-Plattformen und auch die Dienste der mächtigen Suchmaschinen nutzen wir umsonst. Wie geht das?

Der im angelsächsischen Sprachraum geläufige Spruch «There ain't no such thing as free lunch» bringt es auf den Punkt. In unserer modernen Konsumwelt gibt es nichts gratis. Wenn wir einen Service nutzen, für den wir scheinbar nichts bezahlen, zahlen wir eben doch. Und der Preis ist der Verlust unserer Privatsphäre. Unsere Daten sind die harte Währung des Internets, mit denen viel Geld verdient wird.

Nun muss jede Nutzerin und jeder Nutzer selbst entscheiden, was ihr oder ihm die eigene Privatsphäre wert ist. Viele finden, sie hätten schliesslich nichts zu verbergen und für die erstklassigen Leistungen, die sie kostenlos erhielten, sei es doch in Ordnung, seine Daten herzugeben. Immer mehr sind jedoch der Meinung, dass dieser Preis zu hoch sei und sie etwas gegen die Datenflut unternehmen bzw. sich selbst schützen möchten.

Was Sie tun können

Niemand ist gezwungen, Google oder Bing als Suchmaschine zu nutzen. Es gibt mittlerweile gute Alternativen, die Ihre Suchanfragen nicht tracken, wie Duck Duck Go oder Startpage. Letztere verarbeitet übrigens die Suchresultate von Google und stellt sie ihren Nutzern anonym zur Verfügung.

Dann könnten Sie statt bei Gmail einen E-Mail-Account bei einem Anbieter einrichten wie aikQ oder Posteo, die versprechen Ihre Daten nicht auszuwerten. Verwenden Sie statt Whatsapp die Schweizer Entwicklung Threema, deren Entwickler Sicherheit und Datenschutz ernst nehmen. Die App kostet zwar drei Franken, aber das ist immer noch weniger als ein Kaffee.

Weiter finden sich im Netz Anleitungen, wie Sie Ihrem Mobilgerät das «Nachhausetelefonieren» abgewöhnen können. So kann man Android in wenigen Schritten dazu bringen, seine Geschwätzigkeit drastisch zu reduzieren.

Auch wenn niemand im Internet vollkommen anonym und unerkannt unterwegs sein kann: Es gibt viele Möglichkeiten, die Datenkraken auf Diät zu setzen. Ganz nach dem Motto: so viele Daten wie nötig, so wenig wie möglich. Googeln Sie, nein besser «startpagen» Sie einfach mal nach Datenschutz und den entsprechenden Begriffen. Sie werden garantiert fündig!

Cyber-Versicherung für KMU

Rundumschutz gegen die Risiken der Digitalisierung

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