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So geht Innovation | Thermoplan AG

Die Krise kam, Thermoplan sah und siegte. Adrian Steiner, Geschäftsführer der Thermoplan AG aus Weggis, zeigt, wie man in schwierigen Situationen Chancen nutzen kann: Innert weniger Wochen entwickelte der Kaffeemaschinenhersteller einen Prototyp für ein Beatmungsgerät.

Unmögliches wird möglich, wenn jeder aus eigenem Antrieb seinen Beitrag leistet.

Adrian Steiner, Geschäftsführer Thermoplan AG, Weggis

Vom Elektromonteur zum CEO

Adrian Steiner

Die Thermoplan AG wurde 1974 vom Ehepaar Esther und Domenic Steiner gegründet und ist bis heute ein Familienunternehmen geblieben. Als Adrian Steiner 1997 nach abgeschlossener Lehre zum Elektromonteur und frisch ab der Rekrutenschule dazukam, war er der 21. Mitarbeiter – heute beschäftigt das Unternehmen über 400 Mitarbeitende. Zu der Zeit präsentierte die Firma seine ersten modularen Kaffeemaschinen an Messen. Starbucks wurde auf die innovativen Schweizer Unternehmer aufmerksam – und zwei Jahre später folgte der weltweite Vertrag mit dem amerikanischen Kaffeeriesen. Im Jahr 2009 übernahm Adrian Steiner schliesslich die Geschäftsführung von Thermoplan.

Veränderung als Chance

Das Familienunternehmen hat schon eine weite Reise hinter sich: von Lüftungsanlagen über Schlagrahmmaschinen und Milchschäumer bis hin zu Kaffeevollautomaten. «Veränderung war schon immer Teil unserer Geschichte», erklärt Steiner. Neue Trends zu erkennen und den Mut zu haben, Neues auszuprobieren und voranzutreiben, hat sich für das Unternehmen immer wieder gelohnt, insbesondere in den 90er-Jahren, als der Cappuccino-Trend langsam aufkam und von Thermoplan sofort aufgegriffen und in ein Produkt umgewandelt wurde.

Veränderung hat uns schon immer stark geprägt.

Adrian Steiner, Geschäftsführer Thermoplan AG, Weggis

Und dann kam Corona

Das Jahr 2020 hat für Thermoplan ganz normal begonnen, bis die Covid-19-Pandemie schliesslich auch die Schweiz erreichte. Durch einen Krankheitsfall in den eigenen Reihen war diese neue Situation für Adrian Steiner und seine Mitarbeitenden von Anfang an sehr real. «Wir haben uns an den Schutzregeln des BAG orientiert, und so konnten wir weitere Krankheitsfälle zum Glück verhindern», berichtet der 44-jährige CEO. Neben Anpassungen im eigenen Betrieb – rund ein Viertel der Belegschaft kann im Homeoffice arbeiten – kam hinzu, dass die meisten Zulieferer, hauptsächlich in Norditalien stationiert, die Produktion wegen der Krise ganz schliessen mussten. Und ist die Zulieferkette unterbrochen, wird es längerfristig schwierig, mit der eigenen Produktion weiterzumachen.

In einer solchen Krise muss man Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und, so gut es geht, den Optimismus behalten.

Adrian Steiner, Geschäftsführer Thermoplan AG, Weggis

Verantwortung übernehmen

In einer solch ausserordentlichen Lage heisst es, einen klaren Kopf zu bewahren. Steiner setzt auf direkte, regelmässige Kommunikation mit seinen Mitarbeitenden. Der persönliche Kontakt liegt ihm am Herzen. Das schaffe Vertrauen und ein Gefühl der Sicherheit. «Von heute auf morgen gilt es ernst. Jetzt musst du Entscheidungen treffen, proaktiv handeln, Verantwortung übernehmen», reflektiert er. Bei alledem versucht der Unternehmer, seinen Optimismus zu behalten und sich auf das Positive und die neuen Chancen zu konzentrieren. Das gelinge ihm aber nicht immer gleich gut, gesteht er.

Eine verrückte Idee

Inmitten dieser aussergewöhnlichen Krisensituation kam dann eine sehr überraschende Anfrage: Starbucks rief an und wollte wissen, ob Thermoplan für sie ein Beatmungsgerät entwickeln könnte. Wenn das jemand könne, dann sei das Thermoplan, lautete die Botschaft. «Da kann man doch nicht Nein sagen!», lacht Steiner. So entstand aufgrund dieser ungewöhnlichen Telefonanfrage innert kürzester Zeit ein Kernteam von fünf Ingenieuren, die sich hoch motiviert an die Sache heranwagten.

Starbucks traute uns zu, dass wir das schaffen. Da kann man doch nicht Nein sagen!

Adrian Steiner, Geschäftsführer Thermoplan AG, Weggis

Das Feuer ist entfacht

Diese «ganz cleveren Jungs», wie Steiner sie stolz betitelt, fingen sofort an, zu tüfteln und den Markt nach Wissen und möglichen Kooperationen mit Fachexperten zu durchforschen. So entstand ein grosses Netzwerk, unter anderem mit dem Roten Kreuz, diversen Fachärzten, Roche, Medela und weiteren Experten im Bereich der Medizinaltechnik. Die Zusammenarbeit trug Früchte – in nur vier Wochen war der Prototyp da, und er funktionierte!

Beatmungsgeräte sind (fast) wie Kaffeemaschinen

80 Prozent der Bestandteile dieses Prototyps sind Kaffeemaschinenteile, so zum Beispiel der Motor, die Sensoren und die Elektronik. Geschäftsführer Adrian Steiner vergleicht die beiden Geräte in einer Analogie: «Die Kaffeemaschine ist wie ein LKW und die Beatmungsmaschine wie ein italienischer Sportwagen. Die Grundtechnologie ist praktisch dieselbe, nur ist beim Beatmungsgerät alles viel filigraner.»

Unser erster Schritt in die Medizinaltechnik – ein weiterer Meilenstein für unsere Firma

Adrian Steiner, Geschäftsführer Thermoplan AG, Weggis

Grösste Herausforderung: Die Zeit

So schnell das Team von Thermoplan auch war bei dieser Entwicklung, die Zeit ist ihr grösster Gegner. Der Prototyp liegt nun in den USA zur Zertifizierung vor. Im Normalfall dauert eine solche Zertifizierung bis zu 50 Wochen. Für Notfälle wurde aber ein Schnellverfahren eingeführt, welches auch beim Thermoplan-Beatmungsgerät angewendet werden kann. Mittlerweile hat sich jedoch auch in Nordamerika die Lage mit dem Virus wieder so weit beruhigt, dass die Nachfrage nach Beatmungsgeräten zurückgegangen ist.

Falls eine Einführung im amerikanischen Markt zeitlich nicht mehr möglich ist, hat Steiner bereits eine neue Idee: «Wir stellen diese Geräte zu einem Viertel der Kosten von einem normalen Beatmungsgerät her. Das könnte besonders für Entwicklungsländer interessant sein.» Das Projekt hat den Unternehmer inspiriert und motiviert, weitere Schritte in der Medizinaltechnik zu wagen. Ein Meilenstein mehr in der Geschichte von Thermoplan.

Ich bin unglaublich stolz auf unser Team!

Adrian Steiner, Geschäftsführer Thermoplan AG, Weggis

Grösste Freude: Das Team

Ein solcher Erfolg ist nur mit einem starken Team möglich. «Das Team begeistert mich wahnsinnig. Sie wollten das unbedingt schaffen!», schwärmt der Familienvater. Hohe Eigenmotivation, eine lösungsorientierte Arbeitsweise und den Beitrag von jedem Einzelnen sieht Steiner als Schlüssel zum Erfolg. «Man muss Visionär sein. Manchmal macht man zwei Schritte vorwärts und vier wieder zurück. Damit muss man umgehen können. Wäre es einfach, würde es ja jeder machen», ergänzt er mit einem Augenzwinkern.

Blick nach vorne

Rein theoretisch könnte Thermoplan rund 600 bis 800 Beatmungsgeräte pro Woche produzieren. Ob sie eines Tages komplett umsatteln werden, steht noch in den Sternen. Adrian Steiner kann es sich zurzeit nicht vorstellen, dass irgendwann die Menschen keinen Kaffee mehr trinken wollen. Aber eines weiss er mit Sicherheit: «Am wichtigsten ist für mich, dass es meinen Mitarbeitenden gut geht. Dass sie zufrieden sind und immer gerne zur Arbeit kommen.»

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