Transport & Fahrzeuge

Brexit – mögliche Folgen für die Transport-Versicherung?

Es bleibt unklar, wann Grossbritannien als Mitgliedstaat aus der Europäischen Union (EU) austreten wird. Ebenfalls nicht geklärt ist, ob es ein ungeregelter Austritt («No Deal») sein wird oder ob es tatsächlich zu einem durch ein Abkommen geregelten Austritt kommt und dann eine Übergangsphase folgen wird.

Sollte der «No Deal» (vertragsloser Austritt) eintreten, würden die bilateralen Abkommen – wie sie beispielsweise zwischen der Schweiz und der EU bestehen – für Grossbritannien nicht mehr gelten. Diese Situation würde den Transportprozess in mehrfacher Hinsicht beeinflussen, zum Beispiel wie folgt:

Zollpräferenzen

Es ist unklar, welche Zollabgaben und Deklarationen erhoben werden. Bei einem Brexit wird der zollfreie Handelsstatus zwischen Grossbritannien und der EU aufgehoben. Die Ausfuhr aus oder die Einfuhr nach Grossbritannien kann vermutlich nicht mehr mit der bisher vereinfachten EU-Verzollung erfolgen.

Lieferverzögerungen

Es ist davon auszugehen, dass die Einführung veränderter Zollkontrollen zu Engpässen und langen Staus an Grenzübergängen führt und dadurch die Lieferkette beeinflusst.

Mehrkosten

Neue Gebühren und neu zu erbringende Dienstleistungen sind möglich. Dies kann auch Kaufverträge zwischen Käufern und Verkäufern sowie Frachtverträge zwischen Absendern, Frachtführern und Spediteuren betreffen.

Zunahme von Schäden

Längere Wartezeiten bei den Zollabfertigungsstellen und die daraus resultierenden Staus könnten zu einer Zunahme von Schäden führen – bei Waren beispielsweise infolge von Diebstahl, Verderb oder Temperatureinflüssen. Dies kann zu weiteren finanziellen Verlusten durch Unterbrechungen in den Logistikketten und Vertragsstrafen führen.

Haftung von Logistik-Betreibern

Frachtführer haften nach Artikel 17 Absatz 1 des Übereinkommens über den Beförderungsvertrag im internationalen Güterkraftverkehr (CMR) für Schäden, die durch Lieferverzögerungen verursacht werden. Im Falle von Ablieferungs- oder Beförderungshindernissen sind von den Absendern im Sinne von Artikel 14 CMR Anweisungen anzufordern, um das Haftungsrisiko zu verringern. Wir empfehlen, mit den Absendern eindeutige Vereinbarungen zu treffen und klarzustellen, dass auf unvorhersehbare Dauer Verzögerungen bei der Verzollung zu erwarten sind.

Diese nicht abschliessenden Folgen sind vor der Durchführung von Transporten von/nach Grossbritannien zu berücksichtigen, vorzubereiten und teilweise auch kurzfristig zu klären. Im Interesse einer optimalen Einhaltung der Lieferkette sind unnötige Aufenthalte so gering wie möglich zu halten, und die Fahrzeugführer sind über neue Regelungen und Anforderungen zu informieren. Dies trägt dazu bei, dass Schäden und damit verbundene Umtriebe für alle Beteiligten vermieden werden.

Informieren Sie uns im Schadenfall umgehend. Schadenanzeige-Formulare finden Sie hier.

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