Transport & Fahrzeuge

Transportwege in der Schweiz – Vielfalt der Verkehrsträger

Wie werden Waren in der Schweiz verschoben? Wie gelangen Güter in unser Land und wie verlassen sie dieses? Was sind die hiesigen Besonderheiten?

Schweizer Gütertransporte nutzen verschiedenste Verkehrsträger

Strasse, Schiene, Luft und Wasser – Die Schweiz nutzt für Ihre Warentransporte sämtliche möglichen Transportmittel und unterscheidet sich dabei vor allem in einem Punkt vom Ausland: der verhältnismässig starken Nutzung der Güterbahn.
Der Güterverkehr wird von manchen bloss als notwendiges Übel betrachtet. Aber bei genauerer Betrachtung zeigt sich: Warenströme sind der Kreislauf der Wirtschaft. In der Schweiz fliessen diese Ströme durch verschiedenste Verkehrsadern. Und bilden so die wirtschaftliche Vielfalt unseres Landes ab.

Komplementäre Konkurrenten
Gemäss Gütertransportstatistik wurden 2016 zu Lande 61% der Güter auf der Strasse und 39% auf der Schiene transportiert. Dabei konnte die Bahn in den vergangenen Jahren stets etwas zulegen, während der Strassengüterverkehr leichte Einbussen verzeichnete. Schiene und Strasse konkurrenzieren sich aber nicht unbedingt, sondern ergänzen sich auch. Bei langen Transportwegen kommt hauptsächlich die Bahn zum Einsatz und bei der regionalen Feinverteilung eher der Schwerverkehr. Im internationalen Verkehr dominiert denn auch die Bahn mit einem Anteil von 67% der Transportleistungen. Innerhalb der Schweiz befördern Lastwagen und schwere Sattelschlepper hingegen mit 63% fast die gleiche Menge an Gütern. Im internationalen Verkehr beläuft sich ihr Anteil wiederum auf nur 37%.

Der Anteil der Bahn am Güterverkehr ist in der Schweiz mit 39% im Vergleich zum umliegenden Ausland hoch. In Österreich liegt der entsprechende Anteil bei nicht ganz 30%, in Deutschland gerade mal bei 17%. Das ist zum einen auf die entsprechende Gesetzgebung mit Nacht- bzw. Sonntagsfahrverbot und der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) zurückzuführen. Zum anderen investiert die Schweiz auch wesentlich mehr in die Bahninfrastruktur als ihre Nachbarn. 2016 betrugen diese Investitionen 351 Euro pro Kopf. Da kann Österreich mit 210 Euro noch einigermassen mithalten, Deutschland mit 49 Euro pro Kopf jedoch nicht mehr. In diesen Zahlen spiegeln sich allerdings auch die Kosten für den im Juni 2016 eröffneten Gotthard-Basistunnel, dem mit 57 Kilometern längsten Eisenbahntunnel der Welt. Der Tunnel eröffnet für Europas wichtigsten Güterkorridor zwischen Rotterdam im Norden und Genua im Süden völlig neue Perspektiven, wird sich dank ihm die Transportleistung in der Schweiz doch praktisch verdoppeln.

Enorme Kapazität
Schiene und Strasse sind heute beide stark überlastet. Ganz anders der Schiffsverkehr. Im Schnitt passen 2500 Tonnen Fracht auf ein Rheinschiff, so viel wie auf rund 200 Lastwagen. Zudem gelten für Lastschiffe keine Nacht- und Sonntagsfahrverbote und sie haben auch kaum Konkurrenz durch den Personenverkehr wie etwa die Bahn.

Zwischen 10 und 12% aller in die Schweiz eingeführten Güter erreichen unser Land über den Wasserweg. Die Bedeutung der Rheinhäfen nimmt im gesamtschweizerischen Kontext allerdings seit einigen Jahren kontinuierlich ab. 2000 betrug der Anteil der Rheinhäfen an den Importen in unserem Land noch fast 20%. Aktuell schlagen die Schweizerischen Rheinhäfen in den beiden Basel jährlich ein Gütervolumen zwischen sechs und sieben Millionen Tonnen um. Daran hat Mineralöl mit 48% den grössten Anteil. Basel ist vor allem ein Importhafen. Dabei wird aber nicht etwa nur die Region mit Gütern versorgt. Rund 70% aller Einfuhren haben ihren Bestimmungsort ausserhalb der Nordwestschweiz. Weiterverteilt werden zwei Drittel der Güter mit der Bahn und ein Drittel mit Lastwagen. Und ständig lagert in den Hafensilos Getreide für rund 270 Millionen Brote. Damit kann die Landesregierung im Krisenfall die Versorgung der Bevölkerung mit diesem Grundnahrungsmittel für mehrere Monate garantieren.

Luftfracht
Nach den Rheinhäfen hat der Flughafen Zürich das zweitgrösste Zollamt in der Schweiz. Das, obwohl mengenmässig nicht einmal 1% aller Güter im Im- und Export als Luftfracht transportiert werden. Die Erklärung für diesen scheinbaren Widerspruch ist einfach: Luftfracht ist im Schnitt rund 30 Mal wertvoller als normale Gütertransporte. Der Luftverkehr spielt vor allem beim Export eine grosse Rolle. 29% aller Schweizer. Ausfuhren erfolgen in der Luft. Für die Schweiz als Exportland – über 50% der Wirtschaftsleistungen werden für den Export erbracht – hat dieser Transportträger einen entsprechend hohen Stellenwert.

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