Vorsorge für Mitarbeiter

Lehrlingsrekrutierung für KMU

Bald schon beginnen wieder neue Lehrlinge ihre Ausbildung. Was sollten KMU bei der Rekrutierung alles beachten? Alberto Ribeiro Silveira, CEO des Startups Qimble, gibt Auskunft.

Potenzielle Lehrlinge dort finden, wo sie suchen

Insights: Was empfehlen Sie KMU, die Lehrlinge rekrutieren möchten?

Silveira: Generell rate ich, sich möglichst frühzeitig Gedanken zu machen. Das Problem vieler KMU ist, dass grosse Unternehmen meist schon gegen Ende Jahr die Verträge mit ihren neuen Lernenden fürs nächste Jahr unter Dach und Fach haben. Dabei versuchen sie natürlich, mit ihren spezialisierten HR-Teams die Besten jedes Jahrgangs für sich zu gewinnen.

Für KMU bleiben dann oft nur Kandidaten mit weniger guten Schulnoten oder solche, die noch nicht recht wissen, was sie eigentlich wollen. Das kann aber auch eine Chance sein. Erstens haben Schulnoten nur bedingt Aussagekraft über die spätere Leistung in der Lehre und im Beruf. Zweitens finden sich manchmal gerade unter den Spätentschlossenen wahre Perlen. Die gilt es zu finden.

Authentisch bleiben

Wie stellt man das als kleiner Betrieb an?

Über Empfehlungen aus dem eigenen Umfeld oder eine klassische Stellenausschreibung. Allerdings nicht wie früher mit einem nüchternen Inserat. Zum einen ist die Tonalität wichtig. Die Ausschreibung sollte frisch klingen und ansprechend formuliert sein. Jedoch darf man nicht künstlich jugendlich wirken, das kommt schnell anbiedernd rüber. Man sollte authentisch bleiben, um auch seine eigene Firmenkultur zu vermitteln. Eventuell kann man auch kurze Statements von aktuellen oder ehemaligen Lehrlingen einbauen. Dadurch spüren Interessenten, dass sie dort Gleichaltrigen begegnen werden. Überdies drückt man auch seine Wertschätzung gegenüber den Lernenden aus, indem man sie zu Wort kommen lässt.

Wo soll man die Stelleninserate schalten?

Heute werden für Stelleninserate vor allem Online-Plattformen genutzt. Bei Inseraten zur Lehrlingsrekrutierung würde ich diese unbedingt auch auf Social-Media-Kanälen wie Instagram und Snapchat teilen. Man muss die Jugendlichen dort abholen, wo sie sind. Auf LinkedIn und Facebook kann man Eltern, Verwandte oder Bekannte von den Lernenden auf die Stelle aufmerksam machen. Zeitungen würde ich höchstens zusätzlich berücksichtigen.

Probetag anbieten

Wie beantwortet man die eingehenden Bewerbungen?

Ich würde nach einem erfolgversprechenden Vorstellungsgespräch einen Probetag oder -halbtag anbieten. Das gibt nicht nur den potenziellen Lehrlingen die Möglichkeit, mal in den Betrieb reinzuschnuppern und diesen kennenzulernen. Umgekehrt gewinnt man auch selbst einen viel besseren Eindruck von den Bewerbern. Man erlebt ihn oder sie über einen längeren Zeitraum und direkt beim Arbeiten.

Für dieses Schnuppererlebnis sollte man im Voraus ein «Programm» definieren und festlegen, woran man den Schnuppernden im Nachgang bewerten möchte. Idealerweise stellt man einen Lehrling oder einen frisch ausgelernten Mitarbeitenden als Bezugsperson für diesen Tag ab. Dieser weiss am besten, worauf es dem Kandidaten oder der Kandidatin ankommt, und kann schneller Vertrauen aufbauen. Der Chef oder ein altgedienter Spezialist sollten ab und an dazustossen, um zu fragen, wie es geht und zu zeigen, dass ihnen der Kandidat wichtig ist.

Jüngere Mitarbeitende beiziehen

Wie gestaltet man das Vorstellungsgespräch?

Ganz wichtig ist aus meiner Erfahrung, dass man zuerst die Bewerber von sich berichten lässt. Das hilft meist, die vorhandene Nervosität abzubauen, denn dabei können sie über etwas sprechen, das sie kennen und wobei sie sich sicher fühlen. Daran anschliessend kann man Fragen zum Lebenslauf stellen. Aber keinesfalls «was wäre wenn»-Fragen, sondern sich eher über etwas aus der Vergangenheit berichten lassen, etwa über Projekte aus der Schulzeit und ob diese Spass gemacht haben oder nicht. Berichte zu Verhalten aus der Vergangenheit lassen bessere Schlüsse auf die zukünftige Arbeit zu als hypothetische Fragestellungen.

Im weiteren Verlauf kann man konkrete Nachfragen zu einem oder zwei Themen stellen. Das ist besser als eine oberflächliche Frage zu vielen Themen. Danach kann man dann von sich aus über die Firma und die mit der Lehrstelle verbundene Arbeit berichten. Abschliessend sollte man den Kandidaten unbedingt Gelegenheit bieten, konkrete Fragen zu stellen, und diese dann beantworten

Wer sollte das Vorstellungsgespräch führen?

Der Chef oder der Lehrmeister sollte natürlich zugegen sein und das Gespräch moderieren. Falls möglich würde ich zumindest für einen Teil des Interviews einen Lehrling oder jüngere Mitarbeitende beiziehen, die über die Firma berichten und auch Fragen beantworten können. Das hilft enorm beim Abbauen von Hemmschwellen.

Unterstützung erhalten

Sie sind CEO der neu lancierten Online-Plattform Qimble. Was erhalten KMU bei Ihnen an Unterstützung bei der Lehrlingssuche?

Eines unserer Online-Tools ist ein Generator für Stelleninserate, der sich gut auch für die Lehrlingsrekrutierung eignet. Sie werden in vier Schritten durch alle relevanten Themen geführt und erhalten so eine persönliche Stellenausschreibung. Sie bestimmen, welche Eigenschaften, Ihnen wichtig sind, und unser Tool formuliert daraus einen Text. Weiter kann man wählen, ob die Interessenten formell oder kreativ und mit «Du» oder «Sie» angesprochen werden.

Wir sind übrigens ein Freemium-Anbieter, das heisst unsere Tools sind alle kostenfrei. Erst wenn man eine Interaktion zwischen verschiedenen Tools wünscht, also etwa aus einer Offerte automatisch eine Rechnung erstellen will, wird ein Plus-Account notwendig. Ebenso wäre eine Online-Beratung durch unsere Experten, die je nachdem über Chat oder Videotelefonie erfolgt, kostenpflichtig.

Was ist, wenn man Ihre Services erst einmal unverbindlich kennenlernen will?

Die Nutzung der Tools ist mit einem Basic-Account wie gesagt kostenlos. Und für Leserinnen und Leser von Baloise Insights bieten wir auf unserer Website einen Wettbewerb an. Unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer verlosen wir 10x ein 2-Jahres Qimble-Plus Abo im Wert von über 1'400 CHF, sowie 3x ein "Qimble-Bundle", bestehend aus einem 2-Jahres Qimble-Plus Abo sowie einem zusätzlichen Qimble Gutschein im Wert von 500 CHF, einlösbar für persönliche Online-Beratung.

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Qimble

Tipps und Tools für Ihr KMU

Das von Alberto Ribeiro Silveira gegründete und von der Baloise unterstützte Startup Qimble bietet Online-Tools und Online-Beratung für kleine KMU an. Die Plattform fokussiert auf Startups, Jungunternehmer oder Kleinstfirmen mit bis zu zehn Mitarbeitenden.

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