Vorsorge für Mitarbeiter

Stimmung machen: Grund zu lächeln

Drei von vier Schweizerinnen und Schweizern erledigen ihre Arbeit mit schlechter Laune. Das belastet nicht nur das Miteinander in den Teams, sondern auch den Firmenumsatz.

Glückliche Mitarbeitende für mehr Unternehmenserfolg

Ein Kreis, zwei kurze Striche und ein Bogen – fertig war der Smiley. Keine zehn Minuten brauchte Harvey Ball, um ihn zu erfinden. Der amerikanische Werbegrafiker sollte 1963 etwas zeichnen, das die Stimmung bei einem Versicherer aufhellt. Die State Mutual Life Assurance Company aus Massachusetts hatte die Guarantee Mutual Company of Ohio geschluckt, nun bangten deren Angestellte um ihre Jobs. Die State Mutual wollte die neuen Kolleginnen und Kollegen mit kleinen Ansteckbuttons wieder zum Lächeln bringen. Also nahm Ball ein gelbes Blatt Papier, legte los – und: Sein Smiley munterte die Angestellten tatsächlich auf.

Schlechte Stimmung vergiftet nicht nur die Atmosphäre. Sie schwächt Unternehmen enorm, deshalb sollten Führungskräfte sie ernst nehmen. Nur zufriedene Angestellte bringen gute Leistungen und gehen kreativ an ihre Aufgaben heran. «Wenn alle verstanden haben, warum sie morgens genau in ihr Unternehmen gehen und nicht in ein anderes, dann ist es gelungen, am Unternehmenserfolg partizipierende Mitarbeitende zu stärken, die freiwillig ihr Bestes tun – Tag für Tag», sagt die Feelgood-Managerin Carmen Fries. Die Zollikoferin ist eine der Ersten in der Schweiz, die Firmen dabei helfen, ihre Mitarbeitenden glücklicher zu machen, Konflikte zu lösen, ein besseres Arbeitsklima zu schaffen. 

Schlechte Stimmung schadet dem Image
Der Bedarf ist enorm. Eine Gallup-Studie besagt: «78 Prozent der Schweizer Arbeitnehmende engagieren sich kaum oder gar nicht im Betrieb.» Der grösste Teil mache Dienst nach Vorschrift, die extremen Fälle hätten innerlich gekündigt. Laut Gallup entgehen den Unternehmen deshalb jährlich 50 Mrd. CHF – und hoch qualifizierte Leute. Die Gründe für die dicke Luft: wiederholte Restrukturierungen, täglich spürbarer Druck, ausserdem wie überall auf der Welt mangelnde Entwicklungschancen, laute und hässliche Grossraumbüros sowie zu wenig Anerkennung. Lob, das ergab eine Umfrage des Incentive-Anbieters Incenta, hören gerade mal 22 Prozent der Arbeitnehmenden in der Schweiz regelmässig. Während sich zwei Drittel nach mehr Anerkennung sehnen, führen viele Chefs nach dem Motto «Nicht geschimpft ist Lob genug». Fatal. Schliesslich ist jeder Mitarbeitende ein Botschafter seines Arbeitgebers. Lässt er seinen Frust nach Feierabend im Bekanntenkreis raus, vergrault er womöglich Topkräfte, die sich bewerben würden und es dann doch lieber lassen. Das Unternehmen bemerkt von all dem nichts.

Chefs, die wissen wollen, wo der Stimmungspegel liegt, können ihn mit einfacher Technik ermitteln. Und da kommt wieder der Smiley zu Einsatz. Die schwedische Firma Celpax hat eine Box entwickelt, die Unternehmen an den Betriebsausgängen installieren. Alle Mitarbeitenden, die abends das Gebäude verlassen, lesen die Frage auf der Box: Wie war dein Tag? Als Antwort drücken sie – selbstverständlich anonym – einen von zwei Smileys. Grün und lächelnd für «gut», rot und grummelnd für «schlecht». Ganz einfach und intuitiv bringen so die Mitarbeitenden ihre Laune auf den Punkt. 

So gut ist die Stimmung im Betrieb
Ausgeklügelt ist erst die Technik dahinter. Jede Woche erhalten die Führungskräfte eine Auswertung. Sie zeigt, ob die Mitarbeitenden fröhlich oder mies gestimmt nach Hause gehen. Die Chefs sehen ausserdem, wie die Stimmungskurve über Wochen verläuft und ob ihre Bemühungen wirken. Das Ganze funktioniert also fast in Echtzeit und macht zeitnahe Kurskorrekturen möglich – anders als die seltenen Mitarbeitergespräche.

Die Winterthurer Privatklinik Lindner hatte schon ein Instrument, um der Kritik ihrer Angestellten ein Forum zu geben: den heissen Stuhl, auf dem Führungskräfte regelmässig Platz nehmen, um zuzuhören. «Ausserdem sind wir ein kleines Unternehmen», sagt der stellvertretende Direktor Bernhard Reutimann. «Da spürt man Stimmungsschwankungen sofort. Doch ich wollte sie klar vor mir sehen, deshalb haben wir die Box installiert.» Angenommen wird sie gut, 82 Prozent der 200 Mitarbeitenden drücken grün.

Gespräche über Frust und Stimmungskiller fallen leichter, wenn es einen simplen und allseits bekannten Aufhänger gibt, davon ist Reutimann überzeugt. Und das Feedback wird differenzierter, wenn Mitarbeitende sich täglich bewusst fragen, was für grün spricht und was für rot. So beginnen Veränderungsprozesse, an deren Ende ein Lächeln steht. 

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