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Erfindungen aus der Schweiz sind weltweiter Innovationsmotor

Erfindungen sind kein Zufall. Was müssen Tüftler und Innovatoren mitbringen, damit aus einer guten Idee am Ende auch eine erfolgreiche Neuerung wird?

Erfindungen: Vom Geistesblitz zur Innovation

Wir haben Jean-Luc Vincent, Präsident und Gründer der internationalen Messe für Erfindungen in Genf, gefragt.

Herr Vincent, was brauchen Erfinder, um eine gute Idee in ein erfolgreiches Produkt zu verwandeln?
Jean-Luc Vincent: Zuallererst sind Erfinder nicht alle gleich. Wenn der Erfinder unabhängig ist, muss er oder sie Spezialisten konsultieren. Der Weg ist lang von der Idee – dem Prototyp oder Patent für die Erfindung – bis hin zur Herstellung oder dem Verkauf des neuen Produkts. Dafür braucht man Geld. Abhängig davon, für welchen Bereich die Erfindung bestimmt ist, können die zu konsultierenden Menschen unterschiedlich sein. Immer gleich ist aber, dass man sein geistiges Eigentum gut schützen muss, wenn man erfolgreich sein will.

Welches Arbeitsklima brauchen Erfinder, um erfolgreich zu sein?
Jean-Luc Vincent: Hauptsächlich brauchen Erfinder Freiheit und keine Beschränkungen. Er oder sie muss in der Lage seine, Probleme zu beobachten, zu erkennen und zu lösen. Egal, ob es um seinen Arbeitsbereich oder das persönliche Leben geht. Es war ein Schweizer Maschinenbauer, der den Klettverschluss nach der Beobachtung der Natur erfunden hat. Und es war ein Tierarzt, der die Luftkammern für Fahrradreifen entwickelt hat.

In welchen Bereichen des Lebens und der Industrie werden nach Ihrer Meinung neue Erfindungen am meisten benötigt?
Jean-Luc Vincent: Am dringendsten sind Erfindungen zweifellos in den Bereichen Energie, Umwelt, Medizin und Sicherheit nötig.

Laut WIPO ist die Schweiz Innovationsweltmeisterin. Was sind die Gründe dafür?
Jean-Luc Vincent: Dafür werden verschiedene Kriterien berücksichtigt. Die Patente im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Hinzu kommen der Prozentanteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttosozialprodukt und die Effizienz von Schulen und Organisationen, die Innovationen unterstützen.

Von welcher Erfindung träumen Sie persönlich?
Jean-Luc Vincent: Von «echten» Erfindungen, also solchen, die komplett neu sind und nicht das Risiko in sich tragen, mit anderen Patenten zu kollidieren. Die besten Erfindungen sind jene, die von Menschen in einem Bereich gemacht werden, der eigentlich nicht ihr eigener ist. Sie bringen immer einen neuen Weg mit, auf die Dinge zu schauen und sind deshalb originell.

Die Schweiz ist Erfinderweltmeisterin. Warum ist das so? Wir zeigen, wie aus Geistesblitzen bahnbrechende Innovationen werden können.

Die Schweiz: Erfinderweltmeisterin. 2015 gab es hier 873 Patentanträge pro Million Einwohner. Mit weitem Abstand folgen die Niederlande (419 pro Million) und Schweden (392 pro Million) in Europa auf den Plätzen zwei und drei. Woran liegt das eigentlich?

«Das ist ja komisch ...» Umwälzende Neuerungen, bahnbrechende Erfindungen oder auch ganz simpel-geniale Verbesserungen fangen meist mit einem Sich-Wundern an. Die Neugier ist die Mutter aller Innovationen. Aber sie ist nicht alles. Francis Gurry, Chef der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), sieht als eine weitere wesentliche Grundvoraussetzung den «hohen Vernetzungsgrad zwischen Staat, Privatwirtschaft und Universitäten, die grosse Offenheit der Wirtschaft und die Integration der Beschäftigten.»

Aus einem Nachteil einen Vorteil machen
Und genau deswegen wurde die Schweiz von der WIPO kürzlich zum sechsten Mal in Folge zum «Innovationsweltmeisterin» vor Schweden und Grossbritannien gekrönt. Ein wichtiger Motor für diese Spitzenposition auf dem Globus sind dabei die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Die Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitenden sind die wichtigsten Arbeitgeber in der Eidgenossenschaft. Und sie sind quasi in der Innovationspflicht, denn in Sachen Arbeits-, Produktions- und Transportkosten hat die Schweiz grosse Nachteile gegenüber der billigeren europäischen und asiatischen Konkurrenz. Auch die aktuelle Stärke des Frankens verursacht Probleme.

Nach einer aktuellen Studie setzen 72,3 Prozent der KMU auf die Einführung neuer Technologien. 77,5 Prozent der KMU sind davon überzeugt, dass die Nutzung neuester digitaler Technologien die weltweite Wettbewerbsfähigkeit Schweizer Unternehmen erhöht. Als weitere wichtige Massnahme sehen sie die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen sowie die Investition in Mitarbeitende an.

«Trial and Error» reicht bei Erfindungen nicht
Aber wie werden Unternehmen überhaupt innovativ? Nur mit «Trial and Error» und dann auf den Zufall hoffen? Die Komplexitätsforscher Stuart Kauffman und John Holland haben gezeigt, dass Fortschritt immer dann entsteht, wenn viele winzige Schritte und einige wenige hochspekulative Gedankensprünge zusammenkommen. Es braucht also beides – zielgerichtetes Forschen und wildes Herumprobieren. Auf dem Weg von der Entdeckung zum industriellen Produkt bis hin zur Marktdurchdringung bietet die Schweiz sehr gute Rahmenbedingungen. Der Bund fördert über die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) seit mehr als 60 Jahren aktiv die Innovation in den Unternehmen. Ein Grossteil der Fördersummen fliesst zur Unterstützung von Forschung und Entwicklung an KMU und in die Gründung von Start-ups. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der Technologietransfer von Universitäten in die Privatwirtschaft.

Und auch da sind die Standortvorteile hierzulande offenkundig: Schweizer Universitäten wie die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH) belegen regelmässig Spitzenplätze im weltweiten Vergleich. Die Zusammenarbeit von Grossunternehmen wie Novartis oder Roche und KMU schafft darüber hinaus weitere gute Ausgangsbedingungen für Innovatoren. Und nicht zuletzt kann die Schweiz wegen ihrer zentralen Lage in Europa und den im Vergleich sehr guten Verdienstmöglichkeiten Top-Arbeitskräfte aus der ganzen Welt anlocken.

Sich als Erfinder die Freiheit nehmen: Nur nicht nachlassen!
Trotz der Top-Position herrscht bei der «Erfinderweltmeisterin» kein Überschwang. Viele KMU sind skeptisch, was die Zukunft des Standorts Schweiz im Vergleich zur heutigen Situation betrifft. Sie befürchten vor allem, dass der Einfluss der regulatorischen Rahmenbedingungen den Unternehmenserfolg verschlechtern wird. Jean-Luc Vincent, Präsident und Gründer der internationalen Messe für Erfindungen in Genf dazu: «Hauptsächlich brauchen Erfinder Freiheit und keine Beschränkungen.»

«Schneller zu besseren Ideen»
Unternehmen sollten Innovationen nicht dem Zufall überlassen. Brainstorming-Methoden ebnen den Weg zu zukunftsweisenden Neuerungen. Eine Übersicht:

  • Mind Mapping
    Dieses Werkzeug der Ideenentwicklung hilft die Gedanken zu strukturieren und Strategien und Prozesse zu veranschaulichen. Ausgehend von einer Ausgangsfrage entwickeln sich die unterschiedlichen Äste der Lösungen in immer verzweigteren Formen und erlauben schliesslich einen Gesamtblick auf das Thema.
  • Methode 6-3-5
    Diese Kreativitätstechnik zur Ideenfindung baut auf «Schwarmintelligenz» und garantiert in kurzer Zeit bis zu 108 Ideen. Sechs Teilnehmer entwickeln in drei Spalten und sechs Runden zu je fünf Minuten die Ideen des Vorgängers weiter. Dabei erhält jeder Teilnehmer ein vorbereitetes Arbeitsblatt und trägt seine ersten drei Lösungsansätze zur gestellten Frage ein. Nach Ablauf der Zeit werden die Ideen an den Nachbarn weitergereicht, der die Ansätze seines Vorgängers ergänzt. Das wird solange weitergeführt, bis jeder wieder sein Ausgangsblatt erhält.
  • ABC-Methode
    Dieses Verfahren eignet sich besonders als Feedback-Methode in der Evaluationsphase einer Idee. Dabei werden die Teilnehmer aufgefordert, ihr Feedback satzweise zu je einem Buchstaben des Alphabets zu schreiben wie «B – Budgetverhandlungen einkalkulieren». Am Ende werden die wichtigsten Statements gesammelt und dem Ideengeber zurückgespielt.
  • Walt-Disney-Methode
    Der Schöpfer von Mickey Mouse hat seine eigene Technik entwickelt, um die eigene und die Kreativität seiner Mitarbeitenden zu fördern und setzt dabei auf die verschiedenen Charaktere: den Träumer, den Realist und den Kritiker. Zu Beginn des Meetings nehmen Teilnehmer eine dieser Rollen an und agieren fortan aus ihr heraus. So lassen sich auch festgefahrene Denkmuster auflösen.
  • Der Knalleffekt
    Hierbei handelt es sich um eine methodische Ergänzung verschiedener Kreativitätstechniken zur Auflockerung und Veränderung der Wahrnehmung eines steifen Meetings. Mit dem lautstarken Zerplatzen von mit Zetteln bestückten Namens- und Begriffballons werden willkürlich Paarungen erzeugt, beispielsweise von Personen verschiedener Abteilungen miteinander oder von Personen zu Themen. So können interdisziplinäre Teams nachweislich eine hohe Innovationskraft entwickeln.

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