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Blog für institutionelle Anleger Vom Krieg zur Stagflation?
  • Eingetrübte Aussichten
  • Corona-Risiken
  • Prognosen für 2022
Asset Management 4. April 2022

Mögliche Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine auf die Weltwirtschaft.

Eingetrübte Aussichten

Der russische Einmarsch in der Ukraine hat die wirtschaftlichen Aussichten für 2022 eingetrübt. Trotz aller Unsicherheiten steht fest, dass das Wachstum für das laufende Jahr niedriger und die Inflation höher sein werden als ursprünglich erwartet. Der Haupttreiber dafür ist der Energiepreisschock in Folge des Kriegs.

Der Ölpreis ist zwar vom Höchstwert von rund 130 USD pro Fass von Anfang März auf rund 110 USD zurückgekommen. Die Rohstoffpreise lagen am 18. März aber im Schnitt nach wie vor 24% über den Werten vom Jahresbeginn. Und es wäre verfrüht zu behaupten, dass die Unsicherheit auf den Rohstoffmärkten vorbei ist.

Die Inflation erreichte bereits 2021 in vielen Ländern Höchstwerte. Die wirtschaftliche Erholung nach den Pandemie-Lockdowns, Lieferengpässe und Basiseffekte waren die Haupttreiber. Nun kurbeln die steigenden Rohstoffpreise die bereits hohe Inflation weiter an. Wenn sich die Löhne nicht gleich stark entwickeln wie die Preise für die allgemeinen Ausgaben, schmälert dies mit der Zeit das effektive Haushaltseinkommen. Das würde wiederum die Nachfrage bremsen. Auch Unternehmen sind mit höheren Inputkosten konfrontiert. Wenn diese nicht eins zu eins an die Verbraucher weitergegeben werden können, kommen die Gewinnmargen unter Druck.

Corona-Risiken

Zusätzlich zum Ukraine-Krieg stellt das Coronavirus weiterhin ein Risiko für das globale Konjunkturumfeld dar. Die jüngsten Lockdowns in China haben dies erneut bestätigt. Sie bedrohen die globalen Lieferketten und verstärken den Aufwärtsdruck auf die Preise.

Prognosen für 2022

Die Konsensprognosen zeigen, dass die Erwartungen für die Inflation für das laufende Jahr deutlich nach oben revidiert wurden (+1.2 Prozentpunkte seit Januar 2022), während die Prognose für das Weltwirtschaftswachstum sinkt, um -0.4 Prozentpunkte:  

Quellen: Asset Management, Bloomberg Finance L.P.

Mögliche regionale Folgen

Da die Eurozone sowohl geografisch als auch wirtschaftlich der Ukraine und Russland vergleichsweise nahe liegt, dürfte sie besonders stark von negativen Kriegsfolgen betroffen sein. Zudem dürften besonders einkommensschwächere Länder, in denen ein bedeutender Anteil des Einkommens für Lebensmittel und Energie ausgegeben wird, stark von der zusätzlichen Inflationsgefahr betroffen sein.

Eine Analyse der Verbraucherindizes, welche für die Berechnung der Inflationsraten beigezogen werden, zeigt, dass die Teuerung aufgrund der erhöhten Rohstoffpreise vor allem in den baltischen Staaten und in Teilen Ost- und Südeuropas markant ansteigen dürfte:

Quellen: Asset Management, OECD

Drohende Stagflation

Vor diesem Hintergrund warnen Analysten zunehmend vor stagnierendem Wirtschaftswachstum mit steigender Inflation, der sogenannten Stagflation. Anders als bei der Stagflation der 1970er-Jahren sind die aktuellen Arbeitslosenquoten in den Industriestaaten tief, nahe den Werten vor der Coronakrise. Dies könnte sich jedoch ändern, falls sich das Wirtschaftswachstum stärker verlangsamt als angenommen oder falls die sehr expansive Geldpolitik zu schnell zu restriktiv wird.   

Die Zentralbanken sehen sich mit einer anspruchsvollen Situation konfrontiert. Die Aussagen der Notenbanken in den USA und in Europa vom März 2022 deuten darauf hin, dass sie die Verschärfung der Inflationsproblematik als kritischer einschätzen als die potenzielle Wachstumsverlangsamung. Die Folge eines solchen Szenarium könnten schneller steigende Zinsen sein, besonders in den USA.

Auch wenn die Arbeitslosenquote kurzfristig nicht deutlich ansteigt, könnte der Trend hin zu tieferem Wachstum, höherer Inflation und höheren Zinsen auf einen Regimewechsel für die Finanzmärkte hinweisen.  

Mögliche Folgen für Anlageklassen

Das Konjunkturumfeld kann anhand von Wachstums- und Inflationskriterien in vier Phasen unterteilt werden. Wir analysierten historische Entwicklungen verschiedener Anlageklassen in jeder dieser Phasen (siehe untenstehende Grafik).

Zu Jahresbeginn befanden wir uns in den USA und Europa in einer Phase mit überdurchschnittlich hohem Wachstum und hoher Inflation (Grafik: gelbes Feld). In einem solchen Umfeld lieferten in der Vergangenheit besonders Anlagen, welche einen gewissen Inflationsschutz bieten, z.B. Aktien oder Immobilien, eine attraktive Rendite.

Angesichts der Konjunkturrisiken rund um den Ukraine-Krieg besteht die Gefahr (eher für Europa als für die USA), dass sich das Wachstum deutlich abschwächt (Grafik: Magenta-Feld). Ein solches stagflationäres Konjunkturumfeld ist meistens von hoher Unsicherheit geprägt. Risikoreiche Anlagen, z.B. Aktien, schneiden daher weniger gut ab. Gleichzeitig belasten steigende Zinsen die Performance von Obligationen. Gold hingegen profitiert und bietet eine gute Diversifikationsmöglichkeit im Portfolio.

Quelle: Asset Management

 

Wir hoffen, dass sich bald ein Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen abzeichnet und dass sich die Kriegshandlungen auf die Ukraine beschränken lassen. Wir beobachten die Entwicklungen ständig. Monatliche Einschätzungen zur aktuellen Lage publizieren wir in der Baloise Market View.

Disclaimer

Die Asset Management AG übernimmt keine Gewähr für die verwendeten Kennzahlen und Performance-Angaben. Der Inhalt der Publikation beinhaltet Meinungen zur Marktentwicklung und dient ausschliesslich zu Informationszwecken und dient nicht der Anlageberatung. Insbesondere stellen die Informationen in keiner Weise ein Kaufangebot, eine Anlageempfehlung oder eine Entscheidungshilfe in rechtlichen, steuerlichen, wirtschaftlichen oder anderen Belangen dar. Es wird keine Haftung für Verluste oder entgangene Gewinne übernommen, die aus einer Nutzung der Informationen entstehen könnten.

Kontakt

Melanie Rama, Senior Economist

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