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Blog für institutionelle Anleger Krisentaugliche Anlagestrategie für Pensionskassen

Pensionskassen unter Druck

Asset Management 11. September 2020

Publireportage zu Pensionskassen und Pandemie.

Krisentaugliche Anlagestrategie für Pensionskassen

Der Markteinbruch aufgrund der Corona-Pandemie führte im März 2020 bei den Schweizer Pensionskassen zu einem starken Rückgang des Deckungsgrads. Die Situation entspannte sich zwar per Mitte 2020, weil die Pensionskassen zu Jahresbeginn gut aufgestellt waren und sich die Märkte schnell beruhigten. Trotzdem zeigte sich einmal mehr, wie wichtig für Pensionskassen eine krisenresistente Anlagestrategie ist. Das Asset Management berät und unterstützt sie dabei: Das regelmässige Überprüfen der Anlagestrategie anhand einer ALM-Analyse (Asset Liability Management Analyse) und ein umsichtiges Rebalancing bewähren sich. Zentral für den langfristigen Anlageerfolg ist die konsequente Umsetzung der festgelegten kundenspezifischen Strategie.

Pensionskassen unter Druck

In den vergangenen Jahren erwirtschafteten die Pensionskassen überdurchschnittliche Renditen, wobei die Unterschiede zwischen den einzelnen Kassen beträchtlich sind. Insgesamt trafen die Verwerfungen an den Finanzmärkten vom März 2020 die Pensionskassen in einer soliden Situation, aber gleichwohl empfindlich: Ende 2019 befand sich der kapitalgewichtete Deckungsgrad im Durchschnitt bei 111.6%, Ende April 2020 bei 105.6% (Hochrechnung der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge, OAK BV). Im März, auf dem Höhepunkt des Markteinbruchs, dürfte er sich bei rund 100% bewegt haben. Sinkt der Deckungsgrad über längere Zeit unter 100%, besteht bei einer Pensionskasse Handlungsbedarf.

Krisenresistente Anlagestrategie

Charakteristisch für Pensionskassen ist der langfristige Anlagehorizont. Dieser eröffnet Anlagechancen, denn erfahrungsgemäss gleichen sich Wertschwankungen von Aktienanlagen langfristig aus. Idealerweise legt eine Pensionskasse ihr Vermögen so an, dass sie in schwierigen Marktsituationen von kurzfristigen und hektischen Anpassungen verschont bleibt. Wer Ruhe bewahren kann, befindet sich in einer guten Ausgangslage. Deshalb muss die Strategie den möglichen Marktveränderungen so gut wie möglich Rechnung tragen. Die Unwägbarkeiten bei der Marktentwicklung sind allerdings meistens gross. Deshalb ist es für Pensionskassen umso wichtiger, die eigene Situation so detailliert wie möglich zu kennen. Denn dadurch eröffnen sich Handlungsoptionen mit dem Ziel, sich mit einer massgeschneiderten Anlagestrategie möglichst gut gegen Verlustphasen zu wappnen.

Details
Performance und Deckungsgrad

Die Grafiken illustrieren die Entwicklung der Pensionskassen-Performance (links) und die Verluste (rechts) vom 31. Dezember 2005 bis 31.07.2020. Dies anhand der Referenzindizes Pictet 2005 BVG-25 und Pictet 2005 BVG-40 (Aktienanteil bis 25% bzw. bis 40%). Die Performance widerspiegelt sich in der Entwicklung des Deckungsgrads einer Pensionskasse.

Die BVG-Indizes 2005 von Pictet verzeichneten per Juli 2020 Verluste von -8% bis -11% (blau: Referenzindex mit einem Anteil von Aktien-, Hedge Funds und Private Equity von 25%; rot: Referenzindex mit einem Anteil dieser Anlagen von 40%).

 

Der Drawdown zeigt eindrücklich, dass die Verluste aufgrund der Corona-Pandemie weit unter denjenigen der Finanzkrise von 2008/2009 liegen, jedoch deutlich den Einbruch während der Eurokrise von 2011 übertreffen.

 

Die äusserst expansive Geldpolitik führte im Frühling 2020 zu einer kräftigen Erholung der Finanzmärkte. So konnte sich der durchschnittliche Deckungsgrad der Pensionskassen gemäss OAK BV bis zum Halbjahr 2020 auf 107.9% im Durchschnitt erholen. Auch der kapitalgewichtete Anteil an Vorsorgeeinrichtungen in Unterdeckung verringerte sich per Ende Juni auf rund 10%, während Ende April noch rund ein Viertel in Unterdeckung war. Dies ist zwar eine erfreuliche Entwicklung, aber bis zum tiefen Wert von 1% vom Jahresende 2019 ist es noch ein weiter Weg.

Bei den Zahlen der OAK BV handelt es sich um die Entwicklung des technischen Deckungsgrads, welcher anhand des technischen Zinssatzes berechnet wird. Dieser ist im Vergleich zum aktuellen Zinsniveau bei vielen Kassen nach wie vor zu hoch angesetzt. Würde man den aussagekräftigeren auf aktuellen Zinssätzen basierenden ökonomischen Deckungsgrad heranziehen, dürfte sich die Lage deutlich angespannter präsentieren.

Es zeigt sich, dass Pensionskassen gut beraten sind, ihre Anlagestrategie auf Basis einer ALM-Analyse kritisch zu überprüfen.

Durchblick dank ALM-Analyse

Die Optimierung der Anlagestrategie erfolgt mit Vorteil auf Basis einer ALM-Analyse. Diese stellt eine ganzheitliche und langfristige Betrachtung sicher und bietet der Pensionskasse damit eine Art Kompass beim Anlegen. Dank einer ALM-Analyse kann eine Pensionskasse mögliche Risiken besser abschätzen und Chancen erkennen.

Aufgrund der Kursentwicklung der einzelnen Anlageklassen im täglichen Marktgeschehen verändern sich die Portfoliogewichte und somit auch das ursprüngliche Risikoprofil des Portfolios im Verlaufe der Zeit. Insbesondere in einer schwierigen Marktsituation kann sich dadurch die Risikosituation einer Pensionskasse erheblich verändern.

Eine ALM-Analyse kann sicherstellen, dass das Gesamtrisiko des Portfolios weiterhin im Einklang mit der Risikofähigkeit und der Risikoneigung ist. Sie liefert der Pensionskasse unter anderem massgeschneiderte Informationen zur Wahrscheinlichkeit einer Unterdeckung inklusive einer Simulation der Entwicklung des Deckungsgrads sowie zu möglichen Risiken in verschiedenen Szenarien.

Konsequente Umsetzung der Strategie

Das regelmässige Rebalancing der Anlage, sprich das Neuausrichten der Anlagekategorien auf die strategischen Zielwerte, ist heute für Pensionskassen selbstverständlich. Denn sie sind durchschnittlich zu rund 30% in Aktien investiert und diese Anlagekategorie ist von Marktveränderungen besonders stark betroffen. Das Rebalancing ist ein wesentlicher Faktor bei der Umsetzung der Anlagestrategie.

Hier kommt die je nach Kassenprofil festgelegte Wertschwankungsreserve zum Zug. Im Idealfall führt eine Pensionskasse dank einer vollständig angesparten Wertschwankungsreserve regelmässig ein Rebalancing durch. So kann sie das definierte strategische Risikoziel einhalten und antizyklische Investitionen tätigen. Das heisst, Anlageklassen mit einer positiven Kursentwicklung mit Gewinn verkaufen und solche mit einer negativen Kursentwicklung zu tiefen Kursen kaufen.

Wie oft ein Rebalancing durchführen?

Die folgenden Grafiken zeigen eine Simulation des Rebalancing-Effektes anhand von Komponenten des Index Pictet 2005 BVG-40 für unterschiedliche Frequenzen (jährliches, quartalsweises, monatliches und kein Rebalancing).

Die Simulation für den Zeitraum vom 31.12.2005 bis 31.07.2020 zeigt den deutlichen Vorteil eines regelmässigen Rebalancings (blau und pink) im Vergleich zum Verzicht auf ein Rebalancing (gelb). Die Anlage schnitt mit Rebalancing deutlich besser ab, wobei die Resultate bei einem jährlichen Rebalancing am besten sind.
Die Simulation für den Zeitraum vom 01.01.2020 bis 31.07.2020 illustriert den Rebalancing-Effekt in der Corona-Krise, einer historisch schwierigen Marktsituation mit hoher Volatilität. Hier zeigt sich deutlich, dass zu häufiges Rebalancing kaum Vorteile bringt. Das quartalsweise Rebalancing führte aufgrund der hohen Marktdynamik in der Corona-Krise zu den besten Resultaten (hellblau).

Als Schlussfolgerung halten wir fest, dass aufgrund der hohen Marktdynamik in der Corona-Krise im ersten Halbjahr 2020 kein wirklicher Mehrwert durch Rebalancing erzielt werden konnte. Langfristig ist ein regelmässiges Rebalancing jedoch sinnvoll. Denn dadurch konnten, wie die Simulation zeigt, in den letzten knapp 20 Jahren pro Jahr bis zu 0.4% Mehrrendite erzielt werden.

Damit zeigt sich, dass ein entscheidender Erfolgsfaktor für Pensionskassen die konsequente Umsetzen der einmal festgelegten Anlagestrategie ist.

Autor
Dominik Schmidlin

Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie des Asset Managements

Baloise Asset Management AG übernimmt keine Gewähr für die verwendeten Kennzahlen und Performance-Angaben. Der Inhalt der Publikation beinhaltet Meinungen zur Marktentwicklung und dient ausschliesslich zu Informationszwecken und dient nicht der Anlageberatung. Insbesondere stellen die Informationen in keiner Weise ein Kaufangebot, eine Anlageempfehlung oder eine Ent-scheidungshilfe in rechtlichen, steuerlichen, wirtschaftlichen oder anderen Belangen dar. Es wird keine Haftung für Verluste oder entgangene Gewinne übernommen, die aus einer Nutzung der Informationen entstehen könnten.

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