Revive: Upcycling für alte Autos

Sandra Felber, Agiles Team KMU
7. Juni 2022
Gründerstories
Das junge Unternehmen Revive elektrifiziert alte Autos, um deren langfristige Nutzung zu ermöglichen und einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Das intelligente Upcycling schenkt Oldtimern ein zweites Leben, ohne künftige Generationen zu belasten.

Eine gemeinsame Leidenschaft

Entstanden ist Revive aus der Begeisterung einer Gruppe von Freunden für alles Mechanische. Bei einer Unterhaltung erfuhren sie von Projekten zur Elektrifizierung alter Autos in Kalifornien. Neugierig geworden, begannen sie, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Das Abenteuer Revive begann mit dem Kauf eines ersten Elektrifizierungssatzes und eines nachzurüstenden Fahrzeugs – der blaue Käfer hat heute einen Ehrenplatz auf dem Firmengelände. Als Hobbymechaniker und Autodidakten nutzten die Freunde ihren Urlaub für den Umbau. Dieser erste Erfolg erregte schnell das Interesse der Öffentlichkeit. Die Partner sahen sich vor die Frage gestellt, ob es sich überhaupt lohnen würde, einen solchen Service in der Schweiz anzubieten. Dann kam die Coronapandemie, und mit ihr viel freie Zeit. Also beschlossen die Freunde, dass sie Zeit hätten, «etwas auf die Beine zu stellen». Gesagt, getan – der Rest ist Geschichte.

Wir waren von der öffentlichen Reaktion überrascht, die sehr positiv ausfiel.

Serge de Wilde, Mitbegründer von Revive

Upcycling für Oldtimer

In den USA, in Grossbritannien, den Niederlanden und in Deutschland werden alte Fahrzeuge bereits seit Jahren erfolgreich mit Elektromotoren nachgerüstet, aber in der Schweiz ist dies noch immer eine Marktnische. Die Gründer von Revive mussten daher in unbekanntem Gebiet zunächst auf Sicht fliegen. «Wir mussten Fachleute für ein Tätigkeitsfeld finden, das de facto nicht existierte», erklärt Serge de Wilde, einer der Firmengründer. Mit dem Switzerland Innovation Park von Biel, einer Talentschmiede für junge Ingenieure, fand das Start-up einen wichtigen Partner, mit dem es heute erfolgreich zusammenarbeitet. Daneben galt es, sich mit der schweizerischen Gesetzgebung vertraut zu machen, die einige Eigenheiten aufweist. So ist es in der Schweiz beispielsweise verboten, die Sicherheitssysteme eines Autos, z. B. ABS oder Airbags, zu modifizieren oder die Batterien von verunfallten Tesla-Fahrzeugen wiederzuverwenden, wie es im Ausland geschieht. Die Jungunternehmer mussten also ganz neue Prozesse entwickeln. Revive suchte nach Batterieherstellern, die ihr Produkt zertifizieren und eine Garantie darauf geben. Trotz seiner kleinen Grösse konnte das Unternehmen einen Vertrag mit dem besten Zulieferer abschliessen. Eine Qualitätsgarantie für die Endkunden!

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Das Projekt kommt gut an, auch wenn Twingo-Fahrer nicht zu unseren Kunden zählen.

Serge de Wilde, Mitbegründer von Revive

Geschichtsträchtige Fahrzeuge

Die Autos, die von den Spezialisten umgebaut werden, haben alle eine eigene Geschichte. In langen Gesprächen mit den Eigentümern nehmen sich die Profis Zeit, um diese Vorgeschichte zu entdecken. Die Besitzer haben ihren Oldtimer meist gehegt und gepflegt und möchten ihn an aktuelle Vorgaben, vor allem an geltende Umweltstandards, anpassen. So können sie den Wagen an die nächste Generation weitergeben und gleichzeitig ein Stück Vergangenheit bewahren.

Auch wenn sie sich nicht in erster Linie als Umweltschützer sehen und keinen Anspruch darauf erheben, mit ihrer Arbeit den Planeten zu retten, freuen sich die Gründer von Revive, «Teil der Lösung» zu sein. Denn alte Autos zu elektrifizieren, anstatt sie weiterhin mit Benzin, Öl etc. zu betreiben, lohnt sich in jedem Fall. Ein schönes Geschenk an die Natur! Das Unternehmen setzt daher auf intelligentes Upcycling und tauscht lediglich den Antrieb des Autos aus, ohne es anderweitig zu erneuern. Damit das grüne Geschäftsmodell auch wirklich grün bleibt.

Wir möchten auf Oldtimer spezialisierte Garagen nicht ersetzen, sondern ihnen eine neue Geschäftschance bieten.

Serge de Wilde, Mitbegründer von Revive

Pläne für die Expansion

Auch wenn es nicht einfach ist, in einem neuen Geschäftsfeld Fuss zu fassen, konnten die Gründer sich zu Beginn ihres Abenteuers auf starke Partner verlassen, darunter auch die Basler. Denn diese bot als einzige Versicherung einen speziellen Service für die Kunden von Revive und ihre Fahrzeuge an.

Nach zwei Jahren im Geschäft ist das Start-up auf einem guten Weg und denkt gar nicht ans Aufgeben: Die Zahl der Anfragen übersteigt bereits jetzt die Kapazitäten des jungen Unternehmens, das mangels Ressourcen nicht alle Aufträge annehmen kann. Daher sucht es nun nach frischem Kapital, um sich zu vergrössern und mehr Upcycling-Projekte durchführen zu können. Darüber hinaus arbeiten die Techniker an der Entwicklung von «schlüsselfertigen» Servicekits für Autogaragen, um so langfristige Partnerschaften mit den Werkstätten aufzubauen.

Revive

Intelligentes Upcycling für Ihren Oldtimer

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