Steuern für Einzelfirmen: Steuererklärung leicht gemacht

Sandra Okle, Agiles Team KMU
11. Juli 2022
Nach der Gründung
Einzelfirmen werden nicht als Unternehmen besteuert. Es sind ihre Inhaber, die für den Gewinn und das Vermögen der Firma steuerpflichtig sind. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, welche Besonderheiten damit verbunden sind, worauf Sie bei der Steuererklärung achten müssen und wie Sie Ihre Steuerlast reduzieren können.

Personengesellschaften wie die Einzelfirma sind rechtlich gesehen keine juristischen Personen und daher nicht als Unternehmen steuerpflichtig. Steuerlich werden Einkommen und Vermögen des Einzelunternehmens ihrer Inhaberin oder ihrem Inhaber zugerechnet. Das hat zur Folge, dass Privat- und Geschäftseinkommen sowie Privat- und Geschäftsvermögen als Ganzes versteuert werden müssen.

So ermitteln Sie die Angaben für die Steuererklärung

Wer eine Einzelfirma hat, muss alle Bezüge aus dem Unternehmen – Lohn, Gewinn, Zinsen – zum übrigen Einkommen (beispielsweise Mieteinnahmen) addieren. Dieses Gesamteinkommen müssen Sie beim Bund, beim Kanton und bei der Gemeinde als Privatperson (natürliche Person) versteuern. Bei der Ermittlung des steuerbaren Gewinns gelten für Einzelunternehmen mit doppelter Buchhaltung die gleichen Vorschriften wie für juristische Personen. Wo die einfache Buchhaltung angewendet wird, verlangt das Steueramt eine persönlich unterschriebene Aufstellung von Einnahmen und Ausgaben, Aktiven und Passiven sowie Privatentnahmen und Privateinlagen.

💡 Gut zu wissen

Die Steuern, die Sie als Einzelunternehmerin oder Einzelunternehmer bezahlen, können Sie nicht vom steuerbaren Reingewinn abziehen – weder beim Bund noch beim Kanton, anders als wenn Sie eine Aktiengesellschaft oder GmbH gegründet haben.

So grenzen Sie den Geschäfts- vom Privataufwand ab

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Warum Sie zwischen Privat- und Geschäftsvermögen unterscheiden sollten

Inhaberinnen und Inhaber von Einzelfirmen müssen das Privat- und Geschäftsvermögen nur auf kantonaler und kommunaler Ebene versteuern, der direkten Bundessteuer hingegen unterliegt das Vermögen nicht. Davon abgesehen gelten für Geschäftsvermögen und Privatvermögen unterschiedliche Besteuerungsregeln. Die Abgrenzung zwischen Geschäfts- und Privatvermögen ist daher ein Kernthema der Unternehmensbesteuerung.

Aus gesetzlicher Sicht umfasst das Geschäftsvermögen alles, was tatsächlich der selbständigen Erwerbstätigkeit dient. Es gilt also zu ermitteln, ob ein Vermögenswert in seiner wirtschaftlichen und technischen Funktion den Geschäftsbetrieb wirklich ermöglicht und unterstützt. Alles andere ist dem Privatvermögen zuzurechnen.

Die Unterscheidung zwischen Geschäfts- und Privatvermögen hat weitreichende Folgen:

  • Kapitalgewinne auf Privatvermögen müssen Sie nicht versteuern, Kapitalgewinne auf Geschäftsvermögen dagegen schon.
  • Umgekehrt ist es bei Kapitalverlusten: Beim Geschäftsvermögen können Sie diese vom steuerbaren Einkommen abziehen, beim Privatvermögen dagegen nicht.
  • Im Unterschied zu Privatschulden, wo Sie Zinsen nur mit Einschränkungen in Abzug bringen können, können Sie Zinsen auf Geschäftsschulden vollständig abziehen.
  • Abschreibungen, Wertberichtigungen und Rückstellungen sind auf Geschäftsvermögen zulässig, nicht aber auf Privatvermögen.

💡 Gut zu wissen

Die Vermögenssteuer ist im Vergleich zur Einkommenssteuer zweitrangig. Die Steuerbehörden nutzen sie primär zur Kontrolle und Verifizierung des Einkommens: Die Angaben zum Vermögen lassen Rückschlüsse auf das Einkommen des Steuerpflichtigen zu.

Was es mit privaten Einzahlungen und Entnahmen auf sich hat

Wenn Sie einen Vermögenswert von Ihrem Privatkonto auf das Geschäftskonto verschieben, handelt es sich um eine Privateinlage. Diesen Betrag müssen Sie in die Bilanz aufnehmen, und zwar zum Marktwert im Zeitpunkt seiner Einzahlung. Möglich sind zudem so genannte Nutzungseinlagen. Dabei verzichtet eine Privatperson auf eine Entschädigung für Leistungen, die sie zugunsten des Unternehmens erbracht hat. Das ist beispielsweise der Fall, wenn sie ein Darlehen gewährt, ohne dafür Zinsen zu verlangen.

Umgekehrt kommt es auch vor, dass Privatpersonen Kapital aus der Einzelfirma herausnehmen. Dabei sind drei Arten der Privatentnahme zu unterscheiden:

  • Was Sie vom Kapital- und Privatkonto beziehen, hat keine Steuerfolgen, weil es keine Auswirkungen auf die Erfolgsrechnung hat.
  • Wenn Sie dem Unternehmen private Auslagen belasten, nehmen Sie noch nicht versteuerten Gewinn aus der Firma. Auslagen, die geschäftlich nicht begründet sind, können nicht vom Einkommen abgezogen werden. Dadurch steigt der Gewinn, den Sie versteuern müssen.
  • Wenn Sie Kapital aus dem Geschäftsvermögen in Ihr Privatvermögen verschieben, wechselt dieses Kapital in einen steuerfreien Raum, denn Kapitalgewinne auf Privatvermögen sind steuerfrei.

So füllen Sie die Steuererklärung für Ihre Einzelfirma aus

Die Steuererklärung als Einzelfirma auszufüllen, verlangt einiges an Wissen und Zeit. Wichtigste Voraussetzung: Sie haben eine sauber geführte Buchhaltung und einen Jahresabschluss. Wie und wo die Werte der Einzelfirma in die Steuererklärung eingetragen werden müssen, ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich.

Im Kanton Zürich gibt es dafür das «Hilfsblatt A» in je einer Ausführung für Selbständigerwerbende mit und ohne doppelte Buchhaltung. Im Kanton Bern muss man zuerst die Frage «Haben Sie im Steuerjahr eine Buchhaltung geführt?» (gemeint ist: eine doppelte Buchhaltung) beantworten, bevor man zum passenden Hilfsblatt weitergeleitet wird. Im Kanton Luzern kommen die Formulare S1 – S6 zur Anwendung, in Nidwalden die Formulare 15 und 15a. In diese Hilfsblätter sind Umsatz, Aufwand und Gewinn in unterschiedlichem Detaillierungsgrad einzutragen.

In anderen Kantonen genügt eine mehr oder weniger detaillierte Aufstellung von Aufwand und Ertrag, die der Steuererklärung als Beilage mitzugeben ist. Die steuerpflichtigen Personen müssen dann lediglich die Zahlen aus der Buchhaltung in die entsprechenden Felder der Steuererklärung übertragen.

So optimieren Sie als Einzelunternehmer Ihre Steuern

Es ist im Interesse jeder Unternehmerin und jedes Unternehmers, die Steuerbelastung der eigenen Firma zu minimieren. Tatsächlich können Sie Ihre Steuerrechnung auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Möglichkeiten, deren Beschränkungen und Stolpersteine.

In die Vorsorge investieren

Privatbezüge anpassen

Lebenspartner ins Geschäft holen

Spezialisten beauftragen

Ist ein Einzelunternehmen mehrwertsteuerpflichtig?

Zusätzlich zur Einkommens- und Vermögenssteuer müssen Inhaberinnen und Inhaber von Einzelfirmen unter gewissen Bedingungen auch Mehrwertsteuer bezahlen. Was es dabei zu beachten gilt, erfahren Sie in unserem Blog-Beitrag «Mehrwertsteuerpflicht in der Schweiz». Mehrwertsteuerpflichtig sind Selbständige und Einzelfirmen ab einem Jahresumsatz von 100'000 Franken.

Steuern sparen mit privater Vorsorge

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