Erfolgreich selbstständig werden: ein Leitfaden mit vielen praktischen Tipps

Manuel Thomas, Agiles Team KMU
24. März 2022
Vor der Gründung
Sich selbständig machen ist der Traum von vielen. Die Leidenschaft zum Beruf machen, sich nichts mehr vorschreiben lassen, richtig unabhängig sein. So schön der Traum ist – erst mit einer klugen Planung kommt auch der Erfolg. Hier erhalten Sie eine umfassende Step-by-Step-Anleitung.

Vier Fragen, bevor Sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen

Bevor Sie sich ins Abenteuer der Selbstständigkeit stürzen, empfehlen wir Ihnen, sich im Spiegel tief in die Augen zu schauen und vier Fragen ehrlich zu beantworten:

  • Wie schätzen Sie sich selbst ein (etwa in Bezug auf Durchhaltevermögen, Lernfähigkeiten, Flexibilität etc.)? Bemühen Sie sich um eine realistische Einschätzung.
  • Warum wollen Sie sich selbstständig machen? Welche Ziele verfolgen Sie damit?
  • Wie schätzen Sie das wirtschaftliche Umfeld für Ihre Geschäftsidee ein? Auch hier ist eine realistische Einschätzung gefragt, denn etwa jedes zweite Start-up überlebt mittelfristig nicht.
  • Sind Sie bereit, mehr Stunden pro Woche als im Angestelltenverhältnis zu arbeiten und mindestens am Anfang wenig zu verdienen?

Wenn Sie Zweifel haben bei der Beantwortung dieser Fragen, sollten Sie nochmals in sich gehen. Die Angaben in den folgenden Kapiteln helfen Ihnen, sich ein klares Bild der Anforderungen und Optionen auf dem Weg zu einer selbständigen Tätigkeit zu machen.

Kriterien für die Anerkennung der beruflichen Selbständigkeit

Was bedeutet selbstständig? Wann gilt man als selbstständig? Klarheit schaffen hier die Sozialversicherungen. Aus ihrer Sicht gehen Sie einer selbstständigen Erwerbstätigkeit nach, wenn Sie in eigenem Namen und auf eigene Rechnung arbeiten sowie in unabhängiger Stellung sind und das wirtschaftliche Risiko selbst tragen.

Wer eine selbstständige Arbeit aufnimmt, hat in der Regel eine eigene Firma mit eigener Infrastruktur – oft eine Einzelfirma –, ist sein eigener Chef, bestimmt die Organisation des eigenen Unternehmens selbst und arbeitet für mehrere Auftraggeber. Gerade der letzte Punkt ist für die rechtliche Anerkennung der selbständigen Erwerbstätigkeit wichtig. Die AHV-Ausgleichskasse kann dafür einen Nachweis in Form von Rechnungen, Verträgen und anderen Unterlagen verlangen. Hier finden Sie eine Liste der kantonalen Ausgleichskassen.

Tätigkeiten mit Bewilligungspflicht

Wenn Sie ein Unternehmen für Personalberatung oder Software-Entwicklung gründen, können Sie ohne besondere Bewilligungen starten. Für ausgewählte Berufe und Beschäftigungen müssen Sie jedoch ein Bewilligungsgesuch einreichen.

  • Reglementierte Tätigkeiten verlangen keine besonderen Qualifikationen. Für die Bewilligung sind jedoch bestimmte Kriterien zu erfüllen. In der Reisebranche beispielsweise gibt es Zulassungsbeschränkungen, Vermögensverwalter müssen sich einer Beaufsichtigung unterstellen.
  • Reglementierte Berufe sind z. B. Ärztin und Notar. Dafür braucht es den Abschluss einer speziellen Ausbildung oder den Nachweis entsprechender Berufserfahrung.

Tätigkeiten und Berufe sind teilweise auf kantonaler, teilweise auf Bundesebene geregelt. Beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation finden Sie einen Überblick zum Download.

Selbstständig werden geht auch nebenberuflich

Mit dem Entscheid für die Selbstständigkeit verlässt man die Komfortzone des Angestelltendaseins, des regelmässigen Einkommens, der Absicherung für Alter und Unfall. Der Sprung ins kalte Wasser behagt deshalb nicht allen. Statt ganz auf den Status und die Vorteile der Selbstständigkeit zu verzichten, besteht in der Schweiz allerdings die Möglichkeit, eine selbständige Tätigkeit im Nebenberuf auszuüben. Gerade bei knappen finanziellen Mitteln kann eine Selbständigkeit auf Teilzeitbasis angezeigt sein.

Voraussetzungen für eine nebenberufliche Arbeit auf selbständiger Basis sind:

  • keine Konkurrenz für den Arbeitgeber im Hauptberuf
  • kein Interessenkonflikt gegenüber dem hauptberuflichen Arbeitgeber
  • keine negative Beeinflussung der Leistungsfähigkeit (mindestens elf Stunden Ruhezeit)

Für die Gründung einer Firma braucht es keine Superkräfte

Man hört oft, Gründerin X oder Gründer Y seien halt Unternehmertypen, denen der Erfolg quasi in den Genen angelegt ist. Lassen Sie sich nicht verunsichern. Dieser Unternehmertyp ist ein Mythos. Natürlich brauchen Sie Fachkompetenz, Branchenkenntnisse und eine Portion Idealismus, Optimismus und Leidenschaft. Natürlich ist der Schritt in die Selbstständigkeit mit Risiken und einer höheren Belastung verbunden. Und natürlich ist es von Vorteil, wenn Sie unternehmerisches Denken, betriebswirtschaftliches Know-how und ein gutes Beziehungsnetz mit in die Gründung Ihrer Firma bringen.

Selbstständigkeit ist mit vielen Freiheiten verbunden, aber auch mit Verantwortung. Niemand sagt Ihnen, was Sie wann zu tun haben. Da sind Zeitmanagement, Selbstdisziplin und organisatorisches Talent gefragt. Hilfreich sind sicher auch ein gesunder Umgang mit Stress, Kommunikationsfähigkeit und Leistungsbereitschaft. Dennoch: Superkräfte brauchen Sie nicht. Vieles lernt man on the Job. Wenn das Geschäftsmodell, Ihr Angebot und der Einsatz stimmen, wachsen Sie im Lauf der Zeit in Ihre neue Rolle hinein.

Am Anfang steht die Geschäftsidee

Eine zündende Idee ist das A und O für den Schritt in die Selbständigkeit. Nur: Woran erkennt man eine gute Geschäftsidee und wie kommt man dazu? Gleich vorneweg: Eine allgemein gültige Methode gibt es nicht, wohl aber ein paar Ansätze, wie sich eine vage Idee prüfen lässt.

So prüfen und schärfen Sie Ihre Geschäftsidee

Sie müssen Ihren Markt und die Bedürfnisse Ihrer Kunden und Kundinnen kennen. Mit diesen Fragen und Ansätzen können Sie Ihre Idee konkretisieren:

  • Kundenbedürfnisse abklären: Wo haben Kunden einen Leidensdruck? Was fehlt ihnen?
  • sich mit potenziellen Kundinnen austauschen
  • Markt und Mitbewerber analysieren, auch auf Social Media
  • Kreativ-Workshops durchführen
  • im Internet recherchieren; mit Tools wie etwa dem Keyword Planner Google-Suchanfragen analysieren
  • Studien unabhängiger Organisationen durchforsten
  • Newsletter und Fachzeitschriften konsultieren
  • Messen besuchen

In sechs Schritten in die Selbständigkeit

Sich selbständig machen und eine eigene Firma gründen ist in der Schweiz keine Hexerei. Dennoch: Eine klare Planung der einzelnen Schritte hilft und macht alles einfacher. Wir zeigen Ihnen den Weg zur erfolgreichen Gründung.

Businessplan

Finanzierung

Name, Logo, Website

Unternehmen gründen

Es braucht Mut – auch zum Scheitern

Die Selbständigkeit hat für viele den Reiz der Freiheit, der Unabhängigkeit und der Selbstbestimmung. Wer sich selbständig macht, muss aber auch damit rechnen, dass die Arbeit zu anstrengend ausfällt, das eigene Geschäft zu unsicher ist und der einst ersehnte Schritt zur Belastung wird. Es besteht also immer auch die Möglichkeit des Scheiterns.

Risiken der selbständigen Tätigkeit

Die Risiken lassen sich drei Kategorien zuordnen:

  • Geschäftliches Risiko
    • zu wenig starke Geschäftsidee, Überschätzung des Nachfragepotenzials (beispielsweise zu geringe Differenzierung, ungeeigneter Standort)
    • Liquiditätsengpass, es dauert zu lange, bis ein ausreichendes Umsatzvolumen erreicht ist
  • Persönliches Risiko
    • Sie stellen fest, dass Sie für die Selbstständigkeit zu wenig geeignet sind 
  • Gesundheitliches Risiko
    • Burnout
    • Temporäre Arbeitsunfähigkeit infolge Unfall oder Krankheit

Das gesundheitliche Risiko können Sie durch Sport, einen gesunden Lebensstil und weitere vorbeugende Massnahmen reduzieren. Mit einer Taggeldversicherung können Sie sich zumindest teilweise gegen Lohnausfälle absichern. Andere Betriebskosten laufen allerdings weiter.

Das persönliche Risiko können Sie durch eine ehrliche Beurteilung Ihrer Fähigkeiten und Wunschziele minimieren. Hilfreich kann auch die Beurteilung durch Dritte wie Familienangehörige, Freunde oder Fachstellen sein. Hilfestellungen bietet auch das KMU-Portal des Bundes.

So schränken Sie die geschäftlichen Risiken ein

Das geschäftliche Risiko lässt sich am besten einschränken, wenn Sie folgende Punkte beachten:

  • Sie haben bereits Kunden, die Aufträge platziert oder in Aussicht gestellt haben.
  • Ihre primäre Aufmerksamkeit gilt der Kundenakquisition und ihrer Professionalisierung. Dafür setzen Sie Ihre freien Mittel ein.
  • Ihre Geschäftsidee hat sich durch Marktabklärungen im Vorfeld bestätigt.
  • Sie kombinieren eine Festanstellung mit einer selbstständigen Erwerbstätigkeit auf Teilzeitbasis.
  • Sie wählen einen anderen Ansatz für den Sprung in die Selbständigkeit, beispielsweise den Kauf einer bestehenden Firma.
  • Je grösser das Risiko, desto eher drängt sich eine Gesellschaftsform mit beschränkter Haftung wie GmbH oder AG auf.

Viele Wege führen in die Selbständigkeit

Sich mit einer eigenen Geschäftsidee und einer eigenen Firma selbstständig machen bedeutet: ein Unternehmen von Grund auf selbst hochziehen mit allen Herausforderungen, Krisen, Rückschlägen und Erfolgserlebnissen. Zum klassischen Start-up gibt es aber auch Alternativen.

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